51. Biennale di Venezia

Geschichte eines internationalen Kunstereignisses

Biennale di Venezia

Die im Turnus von 2 Jahren stattfindende Kunstausstellung in Venedig gehört heute zu den international bedeutendsten Foren der Gegenwartskunst und zählt gleichzeitig zur ältesten Veranstaltung dieser Art.

 

Ihre Geschichte reicht bis ins Jahr 1893 zurück, in dem der venezianische Stadtrat die Idee der Biennale ins Leben gerufen hat. Ziel der Venezianer war, den im Café Florian am Markusplatz zum Gedankenaustausch versammelten Künstlern einen offiziellen Rahmen zu geben und – nicht ganz uneigennützig – auch weltweite Aufmerksamkeit für die Lagunenstadt zu erlangen. In den „Giardini Publici“ Venedigs wurde eigens ein „Palazzo dell‘Esposizione” errichtet.

 

Großangelegte Ausstellungen lagen zu dieser Zeit durchaus im Trend. Seit 1851 wurde regelmäßig an unterschiedlichen Schauplätzen der Welt das Konzept der Weltausstellung gefeiert, welche neueste technische Errungenschaften und kunsthandwerkliche Erfindungen zeigen sollte. Die Biennale beschränkte sich auf das Thema der zeitgenössischen bildenden Künste und erntete damit großen Erfolg: die erste Ausstellung zählte über 220.000 Besucher – und das im Jahre 1895! So etablierte sich die Biennale und gewann zunehmend an Bedeutung, 1910 wurden Werke von Renoir und Gustav Klimt gezeigt – erstmals Künstler internationaler Bedeutung. Auch der Rahmen der Veranstaltung gewann zunehmend an internationaler Gewichtung. Während sich die Ausstellungen der ersten Jahre auf den venezianischen Ausstellungspalast beschränkten, wurden in den „Giardini Publici“ ab 1907 zusätzlich nationale Pavillons errichtet: Bis zum ersten Weltkrieg waren Belgien, Ungarn, Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Russland mit einem eigenen Gebäude vertreten.

 

Heute präsentieren sich auf dem Gelände insgesamt 28 Länder in eigenen Pavillons. Weitere Länder mieten in verschiedenen Palazzi Venedigs Räume, um ihre Kunstwerke zu zeigen. 1999 wurde die Biennale um ein neuartiges Konzept der Großausstellung in den Arsenalen erweitert: im mittelalterlichen Terrain der ehemaligen venezianischen Staatsflotte stellen vom jeweiligen Kurator der Biennale ausgewählte Künstler „quasi nebeneinander“ unter einem gemeinsamen Thema aus. Arsenale allein bietet insgesamt 17.000 qm Ausstellungsfläche.

 

Die Biennale ist damit ein unvergleichliches Event, das wie kein anderes multikulturelle Aspekte zeitgenössischer Kunst an einem Ort aufeinander treffen lässt und gleichzeitig mit 110 Jahren Veranstaltungsgeschichte ein bedeutendes Stück Kunstgeschichte beschreibt. Ein Beispiel dafür ist der deutschen Pavillon, der 1905 als einer der ersten nationalen Pavillons im antiken Tempelstil errichtet wurde. Da die damalige Künstlerbewegung in München internationales Interesse auf sich zog, galt der Pavillon zunächst als bayerischer Pavillon, erst einige Jahre später wurde er in „Deutscher Pavillon“ umbenannt. 1938 bauten die Nationalsozialisten das Gebäude nach „ihren“ Richtlinien um, aus dem antiken Tempel wurde ein nationalsozialistischer Monumentalbau. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt der inzwischen westdeutsche Pavillon zwar einen neuen gelben Anstrich, war jedoch noch Jahrzehnte Gegenstand architektonischer Diskussionen. Er sollte abgerissen oder zumindest einem „politisch korrektem“ Umbau unterzogen werden, um das nationalsozialistische Erscheinungsbild auszumerzen. Mitte der 90er Jahr wurde beschlossen, den Pavillon als zeitgeschichtliches Denkmal unverändert zu lassen. Heute steht er unter italienischem Denkmalschutz.

 

Die Biennale 2005 mit ihren zahlreichen Facetten und künstlerischen Höhepunkten zu beschreiben ist unmöglich. Wir zeigen einige fotografische Eindrücke unseres Meister-Fotografen Helmut Meyer zur Capellen. Der deutsche Pavillon erregte in diesem Jahr mit einem Kunstwerk Aufsehen, das nicht fotografisch dokumentiert werden kann. Tino Sehgal ließ das Biennale-Personal „Oh, this is so contemporary“ singend durch den Pavillon tanzen. Jeder Besucher konnte an einem weiteren Kunstwerk Sehgals teilnehmen: eine 2-minütige Unterhaltung mit einem Wärter zum Thema „Kunst und Wirtschaft“ hatte die Rückerstattung des halben Eintrittspreises zur Folge, frei nach dem Motto „Kunst, die Ihnen Geld bringt“.