Alles Bio oder was?

Farbstoffe, Geschmacksverstärker, Aromen, Konservierungsstoffe... Insgesamt 312 Zusatzstoffe sind in der EU für die Herstellung konventioneller Lebensmittel zugelassen. Für Bio-Lebensmittel sind es nur ca. 50, die deutschen Bio-Anbauverbände erlauben noch deutlich weniger. Die Nachfrage nach Bio-Lebensmittel ist so hoch wie nie zuvor, nachdem die „Geiz ist geil“-Mentalität seit Gammelfleischskandalen zum abschreckenden Beispiel geworden ist. Da wundert es nicht, wenn viele auf den Bio-Zug aufspringen wollen. Nur, wo fährt dieser hin?

Gemüse
Was alles Bio ist. Die Menschen blicken nicht mehr durch, aber die Nachfrage boomt.

Gut jeder fünfte Bundesbürger kauft regelmäßig Bioprodukte.

Für die aktuelle Ausgabe des Ökobarometers 2007, welches im Auftrag des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz durch das Marktforschungsinstitut TNS Emnid erstellt wird, wurden 1000 Bundesbürger ab 14 Jahren repräsentativ zu ihrem Kaufverhalten bezüglichBioprodukten befragt.

 

Über die Hälfte (55  %) der befragten Deutschen kauft gelegentlich Bio-Lebensmittel. Jeder fünfte Befragte (21 %) gibt an, häufig Bio-Lebensmittel zu kaufen.

 

Gründe für den Einkauf von Bio-Lebensmitteln sehen die Befragten vor allem in der artgerechten Tierhaltung (89 %), einer möglichst geringen Schadstoffbelastung (86 %) sowie in einer gesunden Ernährung (84 %) und der Unterstützung von regionalen Produkten (84 %). Aber auch ein Beitrag zum effektiven Umweltschutz (82 %) ist ein Grund,der die Verbraucher veranlasst, zu Bio-Produkten zu greifen. Nachweislich beschäftigt sich somit der Verbraucher mit der Frage nach der Herkunft seiner Lebensmittel und inwieweit er auf möglicherweise belastete oder künstliche Lebensmittel zurückgreifen möchte. Immer mehr entscheiden sich den Zahlen zufolge für die Bio-Variante.

Bio aus dem Supermarkt?

Längst hat das Image des „Körner-Fressers“ ausgedient, wenn es um den typischen Bio-Käufer geht. So gab die Mehrheit der Befragten (78 %) an, dass sie Bio-Produkte im Supermarkt kauft, etwa die Hälfte ersteht sie auf dem Wochenmarkt, direkt beim Erzeuger, beim Discounter oder beim Metzger bzw. Bäcker. Bio-Supermärkte nutzen nur ein Drittel (34 %) der Befragten für ihren Einkauf, Bio- oder Naturkostläden werden von 43 % der Befragten aufgesucht.

 

Waren istkeine Randerscheinung mehr, der nur von einem Teil der Bevölkerung angenommen wird, sondern ist mittlerweile ganz normal geworden.

Präsenz durch das deutsche Biosiegel.

Das Interesse an Bio-Produkten ist bei etwas mehr als der Hälfte der Befragten (ca. 56 %) durch Beiträge in Hörfunk und TV geweckt worden.

 

Im Jahr 2004 wurden 20.000 Produktedamit ausgezeichnet. Ende Oktober 2006 nutzten 1.814 Unternehmen das Siegel für nun mehr 33.862 Produkte. Was es an wertvoller Aufklärung hinsichtlich des ökologischen Bewusstseins in der Bevölkerung geleistet hat, ist lobenswert. Aber das staatliche Biosiegel bescheinigt, dass ein Produkt den gesetzlichen Mindeststandard für Biolebensmittel in der EU erfüllt. Mehr nicht.

15.07.2012
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