Das Konsumklima muss ein Lustspiel werden

Promotion-Tour für bessere Kaufkraft

Busfahrt

Es ist wie mit dem Fass, das irgendwann überläuft. Nach den Gesetzen des freien Marktes ist Kaufkraft verfügbares oder in Kürze realisierbares Geld, das sich in Kon-sum auflöst. Die für das gesamte Bundesgebiet für das Jahr 2005 berechnete Kaufkraft (vereinfacht kann die Kaufkraft als Summe aller Nettoeinkünfte bezeichnet werden, die in einem Jahr und einer Region der Bevölkerung zur Verfügung stehen), beträgt 1.410,2 Mrd. Euro. Der für Gesamtdeutschland im Jahr 2005 zu erwartende Umsatz des deutschen Einzelhandels wird mit 406,0 Mrd. Euro veranschlagt.(*1) Ein schwacher Trost, zugegeben. Die Realität sieht etwas anders aus, als sie Wirtschafts- und Finanzminister prophezeien. 1,5 % - 1,7 % Wirtschaftswachstum in 2005 lassen wenig Hoffnung zu, dass sich viel ändert.

 

Liegt das nun an der schlechten Informationspolitik der Bundesregierung über die Reformen oder an dem Damoklesschwert „Arbeitsplatzverlust“? Liegt das an den Preissteigerungen der Energieversorger, an den Negativ-Schlagzeilen der Presse über Standortverlagerungen oder Insolvenzen von Betrieben? Der Verbraucher macht psychologisch das einzig Richtige. Er speichert „für den Fall, dass...“. Er schütz sich, indem er spart und Reserven anlegt. Ein Teufelskreislauf, der nur kommunikativ, das heißt durch „verständliche Aufklärung“, gelöst werden kann.

Der Staat braucht Geld, der Verbraucher hat es.

Wenn der Verbraucher kein Geld ausgibt, nimmt der Staat keine Steuern ein. So etwa müsste man einem Pennäler die derzeitige Situation erklären. Der ehemalige Bundespräsident Herzog reklamierte den Ruck, der durch die Bevölkerung gehen müsse. Ein Ruck braucht Energie, Energie woher? Von der Politik ist sie nicht zu erwarten, von den Unternehmern auch nicht, Vertrauen hat man oder hat man nicht. Die Glaubwürdigkeit wiederherstellen, das wäre eine Chance.

Zwischen reden und tun liegt das Meer...

Der Mensch aber glaubt nur, was er sieht. Die Unsicherheit, die das Unterbewusstsein zu Konsumverzicht veranlasst, wird durch Gesetze und Schlagzeilen größer und größer. Wohin geht die Reise? Ist meine Rente gesichert? Habe ich Geld auf der Kante? Preiserhöhung, Renten-Hochrechnung, Politiker-Einnahmen, leere Versprechungen, usw… Wähler und Konsumenten sitzen alle im selben Boot. Das Boot hat neuerdings eine ganze Menge Komfort, u.a. eine große Monitor-Leinwand, auf der man das Tagesgeschehen (Nachrichten) mitverfolgen kann. Die Akteure in den Diskussionsrunden bieten wenig Unterhaltsames, sie spielen Staatstheater. Da werden eher traurige Stücke mit entsprechender Gestik und mangelndem Wortschatz serviert. Mit vollem Ernst sagen sie den Zuschauern „Wir müssen … etwas tun,“ (der meistgesagte Satzanfang in allen Diskussionen). Ihre Gegenspieler halten dagegen: „Wir tun es, nur besser“. Sagen aber vorsichtigerweise nicht, wie sie es tun.

 

Die ganze Bühne gerät zum „Wir-Müssen-Aktionismus“, Frauen haben kaum Platz auf der Staatsbühne, obwohl 50 % aller Zuschauer Frauen sind. Ein reines Männerspiel mit obligatorischen Frauen ist langweilig, da fehlt es an Esprit und Witz. „Verstand und Herz aus Frauenmund“ wie in Schillers „Johanna“ ist nicht erwünscht bei den Akteuren. Leider, es würde vieles besser machen. Wirklich. Am Ende der Sendung dann der Abspann: Vorhang zu und alle Fragen offen.

21.07.2012
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