Der "Personal-Fabricator" - Die Minifabrik für zu Hause

Tritt mit "Personal Fabricating" ein neuer Megatrend unbemerkt seinen Siegeszug an?

Minifabrik
»Sieht so die Zukunftsmaschine aus, die in jedem Haushalt steht?«

Wäre es nicht traumhaft, Alltagsgegenstände bei Bedarf und nach seinen Wünschen jederzeit selbst zu produzieren? Man benötigt neues Geschirr - ein Knopfdruck genügt und nach wenigen Augenblicken stellt ein Personal Fabricator das gewünschte bereit. Tassen, Teller, Schüsseln gefallen nicht mehr oder man hat keinen Platz, sie aufzubewahren, dann schmilzt die Maschine alles wieder ein und lagert es als Bits bis zum nächsten Einsatz platzsparend auf dem Computer.

 

Der neue Megatrend Personal Fabrication (PF), kurz Fabbing, kommt fast unbemerkt auf Unternehmen und Konsumenten zu. Neil Gershenfeld, Direktor des Centers for Bits and Atoms am MIT Massachusetts Institute of Technology, experimentiert bereits seit einigen Jahren mit seinen Studenten an einer Minifabrik. Unter einem Personal Fabricator versteht er eine Maschine im Desktop-Format, die in der Lage ist, virtuell konstruierte Gebilde direkt in der realen Welt zu erstellen. Jedermann soll kleinformatige Objekte selbst gestalten und produzieren können.

 

Zurzeit gibt es diese Minifabrik noch nicht zu kaufen, aber es existieren bereits Prototypen. Der „Dishmaker“ (übersetzt: Geschirrerzeuger), entwickelt vom MIT, ist das am weitesten entwickelte Beispiel eines Fabbers. Bereits Realität sind einige Fab Labs, die nicht nur in den USA sondern auch in Indien, Ghana, Costa Rica und Norwegen im Einsatz sind. Gershenfeld nennt sie voller Enthusiasmus auch “Fabulous Labs” (Fabelhafte Fabriken). In ihnen werden dreidimensionale Gegenstände mit Hilfe von PC’s, 3-D-Software und Werkzeugmaschinen erzeugt.

Entwicklungshilfe für die Dritte Welt

„Die am höchsten entwickelten Technologien werden in den am wenigsten entwickelten Ländern gebraucht.“, sagt Gershenfeld. Die Gesamtkosten eines Fab Lab sind mit 25.000 US Dollar verhältnismäßig günstig. Dazu tragen auch die verwendeten Programme bei, alle bestehen aus kostenlosen Open-Source-Lösungen. Mit der vor allem für ärmere Länder gedachten neuen Technik werden keine hochtechnologischen Produkte gefertigt, sondern lokale Probleme gelöst. So stellen die Fab Labs unter anderem in Ghana Fernsehantennen und in Indien Instrumente für die Landwirtschaft her.

 

Grundlage dieser Entwicklungen sind die Rapid Technologien. Unter diesem Begriff werden alle Aspekte der so genannten generativen oder additiven Fertigungsverfahren zusammengefasst. Diese ermöglichen die direkte werkzeuglose Herstellung von beliebig komplexen dreidimensionalen Bauteilen direkt aus digitalen (CAD-)Daten. Da keine bauteilspezifischen Werkzeuge mehr benötigt werden, ist es erstmalig möglich, unter Einbeziehung der Kundenwünsche unabhängig von den Losgrößen (Bestellmengen, die in einem Produktionsprozess hergestellt werden) zu produzieren (production on demand).

 

Eine Weiterentwicklung aus Rapid Prototyping („Schnelle Konstruktion“) und Rapid Tooling („Schneller Werkzeugbau“) ist das Rapid Manufacturing („Schnelle Fertigung“). Nicht allein Muster, Prototypen und Vorserien werden hier gefertigt, sondern vielmehr Bauteile und Kleinserien oder das Produkt für den Endkunden.