Deutschland wartet nach dem Fußballfieber auf neue Therapien

Der unerwartete Aufschwung der Wirtschaft ist kein Verdienst unserer neuen Regierung, getragen wird er durch die Ausfuhren. Der Export soll in diesem Jahr um 8,2 Prozent steigen, das hat kein Wirtschaftsweiser vorausgesehen. Die andere Seite: trotz Ankündigung unserer Kanzlerin fehlt der innere Ruck; Mehr Freiheit wagen, den Haushalt sanieren, das Steuersystem vereinfachen, die Sozialsysteme fundamental neu strukturieren, es wird Zeit. Die Welt boomt, das Regierungs-Duo sollte sich der ältesten Marketingregel besinnen, die es gibt, "Von nichts kommt nichts"

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»Die „WM-Pillen” versetzen Deutschland in einen Fußballrausch für vier Wochen. Was kommt danach?«

„Deutschland soll es gut gehen“, um mit dem Vokabular unserer Kanzlerin zu sprechen. Das ist unser aller Wunsch, Frau Kanzlerin. Konjunktur-Probleme gibt und gab es immer. Sie anzusprechen und ohne Lösungsformeln aufzugreifen oder aufzuzeigen bringt wirklich keine Erbauung und trägt schon gar nicht zur Gesundung bei. Das Gute an all diesen Problemen ist aber: Staat und Politik begreifen langsam, dass auf die Stimmungswoge jetzt Taten folgen müssen. Das, was die Stimmung erhellen lässt, sind endlich mal gute Nachrichten, auf die jeder Bürger begierig hofft. Fangen wir an, von den positiven Fakten zu sprechen.

Exportweltmeister sind wir bereits

Erstens: Die Wirtschaftsweisen korrigieren ständig ihre Wachstums-Prognosen nach oben. Der Grund: Überraschend hohe Exportüberschüsse, ein dynamisch anziehendes Konsumklima in diesem Jahr von 1,8 Prozent, 30.000 zusätzlich Beschäftigte zur Fußballweltmeisterschaft, insgesamt rückläufige Arbeitslosenquote, all das klingt positiv.

 

Zweitens: Die große Koalition in Berlin scheint eine Phase des kooperativen Pragmatismus in ihren Entscheidungen einzuläuten. In ihrer Summe sind diese Fakten durchaus bestimmend für das Konsumklima und die Stimmung im Land. Fußballweltmeister zu werden, wäre ein zusätzliches Doping für die Konjunktur (Wünsche sind immer erlaubt).

 

Wer seine Probleme kennt, hat schon die Lösung. Politiker sollten von den Unternehmern das „Machen“ lernen. Ohne Export wäre unsere Volkswirtschaft ein Fall für die Chirurgen. Unser Patient „Deutschland“ hat noch einige Wehwehchen zu verkraften: Ein Hauptproblem ist nach wie vor der Osten. Die neuen Bundesländer wachsen deutlich langsamer als der Westen. Hier machen sich die rigiden Sparmaßnahmen (besonders die Bauwirtschaft betreffend) bemerkbar. Dagegen steigt die Wertschöpfung der verarbeitenden Betriebe um sechs Prozent. Ein gutes Signal. Die wichtigsten Aufgaben der Regierung müssen jetzt gemanagt werden, z.B. Haushaltslöcher stopfen, anstehende Rentenprobleme lösen, Gesundheitsreform voranbringen, Schuldenlast abbauen. Die Diagnose oder Erkenntnis schreit nach der richtigen Therapie. Aber so einfach ist das nicht, weil die verschiedensten therapeutischen Wirkungen noch nicht aufeinander abgestimmt zum Einsatz kommen können. Die so oft zitierten Rahmenbedingungen müssen geschaffen oder verbessert werden, um Wirkung zeigen zu können. Die richtige Richtung, das klare Konzept, die zukunftsweisenden Ideen bleiben noch in ihrem Keime stecken oder werden zu oft zerredet. Dabei ist jedem Menschen klar: wer gesunden will, braucht Energie und Willen und das Wissen über seinen momentanen Zustand. Nach der Weltmeisterschaft ist hoffentlich noch viel Luft im Ball.

21.07.2012
03:15
09.07.2012
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