Die Marke ist wieder im Kommen

Der vielzitierte Geiz ist wider Erwarten nicht mehr geil!

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Immer mehr Studien und Umfragen kommen zu dem Schluss, dass sich die Geiz-ist-geil-Welle dem Ende zuneigt. So berichtet die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) und die Markenartikelindustrie übereinstimmend, dass die deutschenVerbraucher verstärkt zum Markenartikel greifen.

 

Gleichzeitig sinkt das Interesse an Billig-Produkten. So verzeichnet der weitgehend markenfreie Discounter Aldi derzeit Umsatzrückgänge, während der schwäbische Konkurrent Lidl, der seit geraumer Zeit vermehrt auf Marken setzt, im bisherigen Jahresverlauf 11 Prozent mehr Umsatz erzielen konnte. Aldi reagiert auf diese Entwicklung und will nun zur Marke zurückkehren (siehe auch Artikel "Aldi gegen Lidl").

Schlechte Erfahrungen mit Billigprodukten

Dass die „Aktions-Schnäppchen“ der Discounter auch nicht immer wirkliche Schnäppchen sind, hat neben dem Verbraucher auch die Stiftung Warentest herausgefunden. Sie findet sogar, dass Geiz gefährlich werden kann. Woche für Woche buhlen die Discounter mit Notebooks, Bahntickets oder Fernseher um Kunden und wollen diese in ihre Märkte locken. Über einen längeren Zeitraum testete die Stiftung Warentest solche Angebote und kam zu dem Schluss, dass Schnäppchen selten sind. Die Discounter verkaufen oft billiges Zeug. 22 von 58 Angeboten aus diesem Jahr erwiesen sich als Fehlkauf, darunter Billigwerkzeug mit schädlichen Weichmachern, ein Gartenhäcksler, der sich selbst zerlegte und Lautsprecherboxen, die nur müde klangen.

 

Eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger fand heraus, dass viele Konsumenten die Geiz- und Billig-Sprüche inzwischen als „langweilig“ empfinden und nicht mehr hören wollen. Bei 400 Telefoninterviews beurteilten 59 Prozent die aggressiven logans als „eher schlecht“, 30 Prozent waren sie „egal“. Eine Trendwende ist auch beim Thema Qualität in Sicht: Während vor zwei Jahren 59 Prozent der Bundesbürger „vor allem auf den Preis“ achteten, sind es derzeit 56 Prozent.

Kunden kaufen sowohl billig als auch teuer

Es ist zudem unter den Konsumenten ein Trend zu Luxus auszumachen. Ganz gleich ob hochpreisige Immobilien-Objekte in Toplagen, Küchen für 100.000 Euro, teure Bekleidung oder kulinarische Genüsse, wie Champagner & Co. – die Menschen haben wieder Lust zu genießen und sich etwas zu gönnen. Preiswerte Anbieter, wie H&M, Media Markt etc., aber auch die oberste Luxusgüterliga, melden steigende Umsätze – nur im mittleren Preissegment bleibt die Kundschaft weiter aus.

 

Auch die elfte Markt-Media-Studie „Marken-Profile“ des Stern, die Anfang Oktober erschienen ist, sieht konkrete Anzeichen für eine Rückbesinnung des Konsumenten auf die Qualität der Produkte. Die Repräsentativ-Erhebung untersucht alle zwei Jahre das Konsumverhalten und die Markenpräferenzen der Deutschen.

19.07.2012
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