Die Quelle bleibt, nur der Fluss läuft anders

Die Zukunft des Versandhandels hat gerade erst begonnen. Wer neue Ideen entwickelt und sie an die Kunden bringt, dem gehört ein großes Stück des Einzelhandelsgeschäfts. Im Jahr 2030 werden alle Einkäufe zu 30 Prozent online abgewickelt.

Online-Bestellungen werden bald die Kataloge verdrängen.
Online-Bestellungen werden bald die Kataloge verdrängen.

 

Zugegeben, eine provokante Behauptung, aber die Auguren, die dem Versandgeschäft ein überproportionales Wachstum am Gesamtvolumen des Einzelhandels prognostizieren, werden Recht behalten. Alle Trümpfe spielt der Markt jenen Versendern zu, die erkannt haben, dass der Katalog zwar noch eine wichtige Orientierungshilfe für den Kunden ist. Aber um ein differenzierteres Produktangebot näher und schneller an den Kunden bringen zu können, braucht es Alternativen, die der gegenwärtigen Situation von Angebot und Nachfrage via Distanz besser gerecht werden. Der Onlinehandel der Großversender hat den Rückgang des Kataloggeschäftes nur teilweise ausgleichen können. Die Konzerne müssen sich wirklich etwas einfallen lassen, wenn sie in Kundennähe bleiben wollen.

Der Onlinehandel hat im Jahr 2006 um 60 % auf 10 Mrd. Euro zugelegt

Das Kataloggeschäft der Universalversender wird also zugunsten der Spezialversender und des Online-Handels nicht mehr wie bisher dominieren. Derzeit sind es noch über 47  % des Branchenumsatzes, aber bereits 2015 wird er auf unter 38  % sinken. Der Spezialversand wird seinen Anteil dagegen von ebenfalls 47  % auf fast 53  % steigern. Das sind deutliche Fakten, die das Konzept „Hauptkatalog“ bald in Frage stellen werden. Auch die jeweilige Positionierung der Großversender wird nicht das Loyalitäts-Kriterium sein; vielmehr werden in Zukunft Schnelligkeit und Transparenz, Service und Preis die USPs für neue, erfolgreiche Versandhandels-Konzepte.

Konkurrenz belebt das Geschäft

Die reinen Internet-Versender, wie amazon und ebay, kommen mittlerweile (2006) auf über 3 Mrd. Euro Umsatz, was einem Branchenanteil von 11  % entspricht.

 

Wenn sich intelligente Portale stärker durchsetzen, Warentausch-, Warenvermittlungs- und Preisvergleichs-Suchma-schinen weiter so drastisch zunehmen wie bisher und wenn das Internet auch die weniger Verdienenden erreicht, dann läuft der klassische Versandhandel Ge-fahr, noch stärker als bisher an Terrain zu verlieren. Die Marketing-Strategen von Quelle und Co. stehen vor einer großen Aufgabe, wollen sie ihren schnelleren Kollegen, den reinen Online-Versendern, Paroli bieten. Wie kann das gelingen?

Die älteren Konsumenten werden online-affiner, die Angebotskultur differenzierter

Will man visionär sein und ein Szenario für 2040 anführen, dann hat in Europa die heute prophezeite Vergreisung der Gesellschaft stattgefunden. Selbst eine verstärkte Immigranten-Politik bei stabiler Auswanderungsbewegung hält das Problem nicht auf, das sich heute abzeichnet. Immer mehr Ältere werden immer stärker abhängig von einer transparenten und schnellen Versorgungsstruktur. Besonders prekär wird dies auf dem Land sein, wo heute kaum noch Geschäfte aufgrund einer schwachen Infrastruktur zu finden sind.

 

Das Internet bleibt Anbieter Nr.1. Was man den Kunden wie im Internet anbieten kann, ist Aufgabe von Marketing und Logistik. Die Kunden wollen wie einst bequem von zu Hause aus einkaufen. Neu ist, dass sie sich in eine Suchmaschine einloggen werden, um ihre Wünsche und Preise zu vergleichen. Oder sie lassen sich gar Vorschläge für ein Abendessen machen, dessen Zutaten sie bereits in der Tiefkühltruhe haben, oder die sie direkt online bestellen können.