Foodstyling.

Haben Sie sich jemals gefragt, warum die Suppe aus der Tüte nicht einmal annähernd so aussieht wie auf der Tüte? Warum niemand auf die Idee käme, das von Ihnen zubereitete Gericht könnte auch nur im Entferntesten etwas mit dem ästhetischen Kunstwerk auf der Rezept-Illustration zu tun haben? Verzweifeln Sie nicht – in der Regel liegt das keineswegs an Ihren mangelhaften Fähigkeiten in der Küche. Wir führen Sie hinter die Kulissen der Food-Fotografie!

Kaffeetasse mit SChaum
Was Fotokünstler und Stylisten alles möglich machen

Warum lecker aussieht was lecker drin ist

Food Styling heißt das Schlagwort, hinter dem sich das Geheimnis appetitanregender Darstellungen in Kochbüchern, Frauenzeitschriften und auf Werbefotos verbirgt. Dabei werden Nahrungsmittel, essbare Produkte und Gerichte kunstvoll in Szene gesetzt.

 

Da der Food Fotografauf das Befolgen von Regieanweisungen seitens der Hauptdarsteller nicht hoffen darf, kümmert sich um die vorhergehende Inszenierung der Food Stylist. Eine Aufgabe für Menschen mit Geschmack – in vielerlei Hinsicht.

Auf die äußeren Werte kommt es an

„Gutes Essen lieben und kochen können“ sind essentielle Voraussetzungen für diese Tätigkeit. Obwohl keine der aufwändig vorbereiteten Leckereien jemals verspeist werden. In den meisten Fällen ist das wohl auch besser so, denn hier geht es ausschließlich um ästhetische Gesichtspunkte – wer sich davon täuschen lässt, riskiert Magenverstimmung und Übelkeit. Und dabei sprechen wir nicht nur von den Attrappen.

 

Nein, selbst „echtes“ Gemüse, Fleisch & Co. sind nach dem Styling nicht genießbar, sondern ausschließlich attraktiv.

Die Models - schön und eiskalt

Das knusprige Hähnchen auf dem Foto beispielsweise verdankt seinen aufreizenden Look dem lediglich sehr kurzzeitigen Aufenthalt im Ofen. Innen bleibt es komplett roh, was die Haut straff hält; die perfekten Rundungen sind in Wahrheit ausgestopft, die Flügel werden angenäht. Für seinen knackigen Teint sorgt Lebensmittelfarbe, durch Vase-line glänzt es im Rampenlicht. (Früher griff man für einen glänzenden Auftritt sogar auf Haarspray oder Spülmittel zurück.)

 

Damit Kartoffeln lecker und locker aussehen, werden sie direkt in gelber Farbe gekocht. Die Illusion von dampfenden Speisen frisch aus dem Kochtopf schafft man durch einen mit heißem Wasser getränkten Wattebausch, hinter den Hauptdarstellern versteckt.

 

Weigert sich Bier, seine Schaumkrone während des andauernden Shootings aufrecht zu erhalten, dann pustet man ihm was – und zwar mit dem Strohhalm.

Salat wird blattweise mit der Schere frisiert, Gemüse tupiert und Eis ist in Wirklichkeit eine unschmilzbare Masse aus Frischkäse und Speisestärke.