Frauen in Führungspositionen

Eine Entscheidung zwischen Kind und Karriere?

Frau und Baby

Wenn man der steigenden Zahl von Zeitungsartikeln, wissenschaftlichen Abhandlungen und Studien, die sich mit Frauen in Spitzenpositionen befassen, Glauben schenkt, dann ist das "weibliche Zeitalter" längst angebrochen.

 

Auffällige Schlagzeilen künden von einer Zeitenwende in den Chefetagen, im Parlament oder an angesehenen Lehrstühlen: „Soziale Kompetenz macht Frauen unverzichtbar“, „Frauen sind die besseren Chefs“ etc. Seit den Neunziger Jahren profilieren sich besonders internationale Unternehmen mit einer Vielzahl von Förderprogrammen für mehr Frauen in Führungspositionen. So haben sich verschiedene Unternehmen verpflichtet, bis zu einem festgelegten Datum den Frauenanteil in Führungspositionen zu erhöhen, hauseigene Frauennetzwerke oder Mentoring-Programme zu unterstützen o. ä. Mittlerweile führen auch fast alle Parteien heftige Quotendebatten und in der Politik wird mehr und mehr darauf geachtet, dass mindestens eine Dame auf dem obligatorischen Gruppenbild zu finden ist. Es scheint also, dass den Frauen der Weg in die Führungsetagen geebnet ist ...

Trotz der schönen Schlagzeilen, die Wirklichkeit sieht anders aus

 

Frauen haben es nach wie vor schwer, die begehrten Chefsessel zu erreichen. So findet sich in den 100 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands kein weibliches Vorstandsmitglied, vielmehr gilt nach wie vor die Regel: je höher die Hierarchiestufe, desto niedriger der Frauenanteil. In deutschen Großunternehmen liegt dieser, bezogen auf das Top-Management, bei 3,7 %, im Mittelstand besetzen ca. 8 % einen Chefsessel – und dabei sind 61 % der deutschen Arbeitnehmer Frauen! Deutschland rangiert mit dieser Quote noch weit hinter Amerika und vielen anderen europäischen Nachbarn. Dass Frauen Männern intellektuell um nichts nachstehen, bedarf heute keiner weiteren Ausführung mehr - und falls doch: Inzwischen sind über 54 % der Schüler jedes Abiturjahrgangs weiblich, 1995 schrieben sich erstmals mehr weibliche als männliche Studenten an Hochschulen ein. In den ersten Jahren liegen die Frauen mit den Männern gleichauf, doch wenn es um die entscheidenden Jobs geht, jenseits der 30, sinkt der Frauenanteil bei den Top-Positionen ins Bedeutungslose. Warum also ist der Aufstieg so problematisch, zumal der berufliche Einstieg für Frauen heute so leicht ist wie nie zuvor? Mit welchen Hindernissen haben Frauen auf dem Weg nach oben zu kämpfen und welche Faktoren verhindern, dass mehr von ihresgleichen in Spitzenpositionen gelangen?

Die Studie "Frauen und Macht" der Unternehmensberatung Accenture offenbart, dass das schwerwiegenste Aufstiegshindernis für Frauen in der "männerdominierten Kultur" am Arbeitsplatz liegt.

Es fällt den Frauen schwer, sich in der nach wie vor männerbestimmten Berufswelt durchzusetzen. Auch eine bessere Qualifikation hilft oft nicht nach oben, wie Johann Halen vom Statistischen Bundesamt bestätigt: „Die höhere Qualifikation bedeutet nicht, dass Frauen den gleichen Zugang zu Führungspositionen haben.“ Doch es sind nicht nur die männlichen Chefs und Kollegen, die „frau“ auf der schmalen Karriereleiter ins Wanken bringen. Fehlendes Selbstvertrauen sowie ein veraltetes, aber durchaus verbreitetes Rollenbild tun ihr Übriges. Als Folge betonen Frauen ihre besonderen weiblichen Fähigkeiten, um sich selbst eine Legitimation für ihre Machtposition zu geben. Sie betonen ihre sozialen und kommunikativen Kompetenzen, stellen ihre wichtige Rolle für die Produktivität und Team-Effizienz heraus und versuchen deutlich zu machen, dass die Gesellschaft ohne diese Fähigkeiten nicht auskommen könnte. Doch damit weit gefehlt, denn die Realität spricht eine andere Sprache: Soziale Kompetenzen sind in dem Anforderungsprofil für Führungskräfte zwar vorhanden, bringen „frau“ aber offensichtlich nicht in die oberen Etagen.

 

Tatsächlich weiter bringen sie eher die typisch „männlichen Eigenschaften“, wie strategische Fähigkeiten, Entschluss- und Durchsetzungskraft. Weitere Stolpersteine für den Aufstieg sind die Unvereinbarkeit von Beruf und Familie sowie ein Mangel an flexiblen Arbeitszeitmodellen. Denn eine ausgleichende Balance zwischen Privat- und Berufsleben ist den meisten Frauen wichtiger als die Führungsposition um jeden Preis.