Hätten Sie’s gewusst? Redensarten und ihre Hintergründe

Mal wieder die Katze im Sack gekauft? Alter Schwede, da wird ja der Hund in der Pfanne verrückt! Wenn Sie jetzt nur Bahnhof verstehen, sollten Sie es sich nicht entgehen lassen, weiterzulesen.

Würste mit Senf
Wer seinen Senf dazu gibt, bringt „Würze“ ins Gespräch.

 

Tag für Tag plaudern wir aus dem Nähkästchen, treten ins Fettnäpfchen und nehmen kein Blatt vor den Mund, sondern geben einfach unseren Senf dazu. Viele Redensarten haben sich schon fest in unserem Wortschatz verankert. Und das, obwohl die meisten von ihnen eigentlich nur unsinnige Sinnbilder sind: Eine Eselsbrücke bauen. Haare auf den Zähnen haben. Und, und, und.

Doch auch die kuriosesten Redensarten finden mithilfe von Sprachwissenschaft-lern ihre etymologischen Erklärungen:

Egal, ob süß oder scharf, wer seinen Senf dazu gibt, der tut – wie allgemein bekannt – seine Meinung ungefragt kund. Doch das war nicht immer so: Zunächst gab derjenige seinen Senf dazu, der einem Gespräch durch Witz die nötige Würze verlieh, dann derjenige, der das schärfste Wort zu sagen wagte. Erst später erhielt die Redewendung ihre heutige Bedeutung.

 

Hat man erst einmal seinen Senf dazu gegeben, kann sich diese Äußerung natürlich auch schnell als unter aller Kanone herausstellen. Nicht etwa aus dem Soldaten-Jargon entwickelte sich der Spruch – sondern aus dem Lateinischen: „sub omni canone“ bedeutet soviel wie „unter allem Kanon“. Der Kanon war früher das schulische Stufensystem für Zensuren. War eine Prüfung also sehr schlecht, war sie unter allem Kanon. Die weitere Entwicklung von Kanon zu Kanone ist dem Volksmund zuzuschreiben.

 

Da hat man jetzt seinen Senf. Hätte man doch bloß ein (Feigen-)Blatt vor den Mund genommen, so wie es die Komödianten taten, noch ehe es Masken gab. Dabei denkt man doch, man kennt seine Pappenheimer (aus Schillers Wallenstein). Und tritt trotzdem ins Fettnäpfchen. Dieses stand früher in den Bauernstuben und bot die Möglichkeit, sich die Stiefel einzufetten. Nur umkippen sollte man es nicht – jedenfalls nicht, wenn man von der Hausfrau nicht dahin geschickt werden wollte, wo der Pfeffer wächst.

Das Land, in dem der Pfeffer wächst ... Aber wo wächst der denn eigentlich?

Genau dort, wo man unliebsame Menschen am liebsten hinschicken möchte: weit weg. Und das ist in diesem Fall In-dien – für die Verhältnisse des 16. Jahrhunderts unvorstellbar weit entfernt.

 

Diese Hintergründe wären nun also geklärt. Oder kommt Ihnen noch etwas spanisch vor? Bereits aus dem 16. Jahrhundert stammt diese Redensart. Mit der Kaiserkrönung Karls V. nahm der spanische Einfluss in Deutschland enorm zu. Von Bräuchen über Lebensmittel bis hin zu Kriegsstrategien – alles war zunächst fremd und kam den Deutschen spanisch vor.

 

Nun sind Sie aber wirklich nicht mehr auf dem Holzweg. Diese heute noch oft gebrauchte Redewendung stammt aus der Forstwirtschaft. Durch den Transport von Holzstämmen entstehen tiefe Schneisen im Boden, die von Spaziergängern oft mit Wegen verwechselt werden. Diese Holzwege enden jedoch plötzlich dort, wo der Baum geschlagen wurde. Und genauso soll auch die Redewendung verstanden werden: Folgt man einem falschen Gedankengang, ist man auf dem Holzweg und verrennt sich in einem Irrtum.

Redensarten als Werbemittel

Auf keinem Holzweg ist die Werbung, die sich seit jeher der gängigen Sprüchlein bedient, die sogar Hinz und Kunz kennen. (Heinrich und Konrad waren zu dieser Zeit die beliebtesten Vornamen.)

 

Interessanterweise erfüllen Redensarten nämlich alle Kriterien, die ein Werbeslogan braucht: Einfachheit, Kürze und Prägnanz. Mein lieber Scholli (von französisch: „joli“ = hübsch)