Kataloge auf dem Prüfstand

Erfüllen Kataloge heute noch die Erwartungen ihrer Herausgeber? Sind sie noch die eigentlichen stummen Verkäufer?

Kataloge

Meinungen und Verhaltensweisen der Menschen ändern sich in kurzen Zeitabschnitten. Was lange unverändert war, wird am ehesten änderungsverdächtig. Diese These trifft auch auf die Aufmachung und Inhalte der Angebotskataloge zu, welche Tag für Tag Kundenwünsche wecken sollen. Seit den Anfängen des Versandhandels präsentieren Kataloge Produkte auf ähnliche Art und Weise: Abbildungen oder Fotos liefern einen möglichst ansprechenden Eindruck des zu bestellenden Gegenstandes, während der Text die Vorzüge des Produkts anpreist.

 

In der heutigen Zeit liegt die Komplikation dabei in einer allgemeinen Verunsicherung in der gesamten Angebotskultur, die neben dem Preisargument wenige Gründe für die Kaufentscheidung zulässt. Die Preisauslobungen stellen den Produktnutzen in den Schatten und machen das Schnäppchenjagen, Rabattabgreifen und Sammeln von Werbegeschenken zu einem Wert an sich: in dieser Monokultur ist kein Platz für Differenzierung. Der Anbieter, das Produkt und seine Eigenschaften treten dabei in den Hintergrund, der Anspruch an Zusatzleistungen sinkt.

 

Daher fühlt sich jeder Anbieter in die Ecke gedrängt und kaum einer macht sich die Mühe, mit neuen Ideen auf den Verbraucher zuzugehen, Marktlücken zu entdecken oder am eigenen Image zu feilen. Man wagt es kaum, sich auf den Kundennutzen zu konzentrieren und etwas so wenig in Einheiten Messbares wie Zufriedenheit und Glück anzubieten.

 

Der Verbraucher ist immer noch preissensibilisiert. Warum mehr bezahlen, wenn um die Ecke der Döner einen Euro kostet, anstatt auf den Inhalt dieses Lusthappens zu achten? Das, was man früher Wertigkeit nannte und als Wert erkannte, bleibt auf der Strecke.

Einen einmal gegebenen Rabatt holt niemand mehr zurück. Also zurück oder nach vorn?

Was bedeutet das für Kataloganbieter? Entweder Anpassung, was soviel heißt wie „sich vergleichen zu lassen“ oder etwas Neues versuchen, das eine An-hebung der qualitativen Wertvorstellung verspricht. Ein allgemeines Absinken des Niveaus „Angebotskultur“, ist eingetreten. Es ist an der Zeit, dass etwas Neues kommt und den Geiz aus den Hirnen der Kunden jagt. Das Neue ist immer das Bessere gegenüber dem Alten, so zumindest die psychologische Erklärung. Und weil die Kataloge vom marktschreierischen Duktus weg müssen, hat sich ein findiger Mensch ein Konzept ausgedacht und es „Magalog“ genannt. Die Definition ist simpel: ein Magalog ist die Verknüpfung eines Kataloges mit einem Magazin. Das bedeutet, dass die Publikation den Kunden über die reine Waren-präsentation hinaus anspricht. Grafisch und redaktionell gibt es Luft für individuelle Gestaltung und Außergewöhnlichkeit. Man stelle sich vor: ein Kunde nähme in Zukunft seine Gewohnheiten und Empfindungen wieder wichtiger als seinen Preisvorteil.

Ein Magalog kann das Tor zum Kunden weiter aufmachen als bisher angenommen.

Mit der Verheiratung zweier etablierter Informations- und Unterhaltungs-Produkte scheint der Weg zu einem neuen Medium gefunden, das weder Fisch noch Fleisch ist, und genau deshalb reizvoll. Wer es er-reicht, dass die Informationswelle eines ehemaligen Kataloges in eine interessante Unterhaltung über Produkt und Nutzen mit individuell inszenierter Optik und Inhalten mündet, der kann seine alte und auch eine neue interessierte Kundenschar für sich gewinnen. Derartige Magalog-Konzepte gibt es bereits heute. Im Bekleidungsbereich lässt sich so beispielsweise Produktpräsentation mit Lifestyle und Entertainment kombinieren.

13.07.2012
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07.07.2012
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