>>Kinder-Edutainment<<

Investitionsbereitschaft in "bildungsfördernde" Mittel ist gestiegen

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Die Geburtenrate in Deutschland ist so gering wie in kaum einem anderen europäischen Land. Keine schönen Aussichten für Unternehmen mit der Zielgruppe „Kind“.

 

Umso erfreulicher dafür ist der immer stärker wachsende Bildungsdruck, dem Kinder in Deutschland ausgesetzt werden: Die Investitionsbereitschaft der Eltern in bildungsfördernde Mittel ist stark gestiegen. Dank Pisa-Schreck, wachsender Kritik an Bildungs- und Schulsystem sowie hohen Arbeitslosenzahlen wird jedes zweite Kind in Nachhilfeunterricht geschickt. Ca. 22 Millionen pro Woche geben deutsche Eltern inzwischen für Nachhilfeunterricht aus.

 

Damit nicht genug. Da laut Hirnforschung das Kind im Kindergartenalter besonders lernfähig ist, sind zahlungskräftige Eltern verstärkt daran interessiert, den Alltag ihrer Kinder bereits im Vorschulalter lehrreich zu gestalten. Z. B. mit Hilfe von in englischer Sprache abgehaltenen Krabbelkursen, wie sie ein Hamburger Geschäftsmodell für Kinder ab 8 Monaten erfolgreich anbietet.

 

Ein boomender Dienstleistungs-Sektor beginnt sich mit Vorschul- und Zusatzunterricht in Deutschland zu etablieren. Der Umsatzanteil von Lehr- und Jugendbüchern ist zum Vorjahr gestiegen. Nun planen auch amerikanische Unternehmen dieses Marktsegment in Deutschland zu bedienen. In den USA ist das „Baby- und Kinder-Tuning“ schon länger üblich. Walt Disney hat dort bereits jedes dritte Kind zwischen 0 und zwei Jahren mit Lehrvideos namens „Baby Einstein“ oder „Baby Van Gogh“ u. v. m. ausgestattet. Dass man mit Edutainment nicht früh genug beginnen kann, demonstriert die Firma Matell, deren Lern-Töpfchen Musik spielt, wenn Baby sein „Geschäft“ erfolgreich erledigt hat. Das 1995 gegründete Unternehmen Leapfrog hat es mit hochwertigen wie hochpreislichen elektronischen Kinderspielsachen zum drittgrößten amerikanischen Spielwarenhersteller geschafft. Mit Produkten, wie der Nachzieh-Raupe „Betty“, die in Bewegung das Alphabet erklärt, oder mit dem „Leappad“, einem modularen Kinderbuchcomputer. Per Tipp auf einzelne Abbildungen ertönen Tiere, Klänge, Musik etc. Im Vergleich zu einem herkömmlichen Kinderbuch ist das „Leappad“ mit einem Preis von ca. 80,00 € (Basisstation + 1 Buchmodul) teuer, findet aber trotzdem besten Absatz.

 

Nun sollen „Baby Einstein“ und „Leappad“ auch auf dem deutschen Markt eingeführt werden. Wer weiß, ob und welchen Einfluss die neuen Ambitionen der „Kleinkindbildung“ auf die PISA-Studie in 10 Jahren nehmen wird.