Ladenöffnungszeiten:

Die Diskussion um die Ladenöffnungszeiten flammt in Deutschland immer wieder auf. So wird auch derzeit wieder heftig diskutiert, ob sich zukünftige Geschäfte in Deutschland an den Ladenschluss halten müssen oder nicht. Ist der Service rund um die Uhr wirklich nötig, oder reichen die momentanen Öffnungszeiten aus, um Einkäufe und Besorgungen zu erledigen? Dies sind zumindest Fragen, mit denen sich nicht nur die Verbraucher, sondern auch Politiker aller Fraktionen, Bund, Länder und - natürlich . auch die Gewerkschaften beschäftigen. Das hier keine einstimmige Meinung herrscht, dürfte selbstverständlich sein.

Einkaufswagen
»Shoppen rund um die Uhr – der Traum aller Verbraucher?«

Doch wie reagiert die Gruppe, auf die es eigentlich ankommt, die Verbraucher? Wie sieht ihr Kaufverhalten aus? Entspricht das „Rund- um- die-Uhr“-Shopping tatsächlich den Bedürfnissen der deutschen Konsumenten?

 

Mitarbeiter der Zeitungs-Marketing-Gesellschaft, kurz ZMG (Frankfurt), hat die kaufkräftigen Zielgruppen unter den deutschen Verbrauchern befragt und das Ergebnis in einer Studie festgehalten – und das Resultat ist verblüffend. Denn entgegen aller Erwartungen genießen die jetzigen Öffnungszeiten eine hohe Akzeptanz.

 

Demnach gaben 84 % der 3.008 Befragten an, mit der jetzigen Regelung (Geschäfte werktags bis 20 Uhr und samstags bis 16 Uhr zu öffnen) zufrieden zu sein. Mit den jetzigen Ladenöffnungszeiten unzufrieden sind Berufstätige und jüngere Bundesbürger. Fast drei Viertel (71 %) der Befragten haben schon wochentags nach 18.30 Uhr eingekauft, fast zwei Drittel (65 %) auch schon Samstag nach 14 Uhr. Vor allem die Berufstätigen (62 %) und diejenigen mit einem Haushalts-Nettoeinkommen von über 3.000 € (62 %) wissen die verschobenen Ladenöffnungszeiten zu schätzen. 28 % von ihnen sind der Meinung, dass mehr Geschäfte auch abends geöffnet sein sollten. Demgegenüber würden 68% sonntags überhaupt nicht oder nicht so gerne einkaufen – denn der Sonntag gilt nach wie vor als Feiertag, an dem man sich um Freunde und Familie kümmert, oder ganz einfach ausruhen möchte.

 

Es kristallisiert sich also eine relativ deutliche Verbraucher-Meinung heraus. Die jetzige Regelung ist optimal. Geschäfte dürfen wochentags gerne auch länger geöffnet haben, Sonn- und Feiertage sollten aber weitestgehend unberührt bleiben – letztendlich wird jedoch ein Bericht der Föderalismuskommission von Bund und Ländern darüber entscheiden, wie die Zuständigkeiten und Regelungen der Öffnungszeiten zukünftig aussehen werden.

 

Shoppen rund um die Uhr - das geht auch außerhalb der normalen Öffnungszeiten.

In der Diskussion um die Ladenöffnungszeiten darf ein wichtiger Faktor nicht vergessen werden: das Internet. Im europäischen Vergleich liegen die Deutschen hier ganz weit vorn. 60 % aller Internet-Nutzer haben innerhalb der letzten sechs Monate die Möglichkeit genutzt, online einzukaufen. Dies liegt weit über dem westeuropäischen Durchschnitt, der bei ca. 38% liegt – obwohl inzwischen die Hälfte aller Westeuropäer über einen Internetzugang verfügen.

 

Doch ist der Online-Handel tatsächlich ein direkter Konkurrent für den Einzelhandel? Nach wie vor werden im westeuropäischen Durchschnitt meist nur geringe Beträge bei Online-Bestellungen ausgegeben. Im Schnitt sind es nicht mehr als 200 €. Ganz anders in den USA die, wie in so vielen Fällen „Vorreiter“ in Sachen Konsum sind. Bleibt anzumerken, dass die Pro-Kopfverschuldung in den USA weit über dem europäischen und dem deutschen Wert liegt.

 

Dennoch erzielt der Online-Einzelhandel gute Wachstumsraten. Spitzenreiter sind Deutschland und Großbritannien. Hier wird nicht nur am meisten gekauft - auch die Angst vor Verletzungen des Datenschutzes (Kreditkartenzahlungen, detaillierte Angaben zur Person etc.) ist hier nicht besonders ausgeprägt.

 

Die Gründe für das Online-Shopping sind ganz unterschiedlich. Für die Briten steht die Bequemlichkeit an erster Stelle. Die Deutschen schätzen die große Auswahl und die Unabhängigkeit, die das Einkaufen im Netz bietet. Die Italiener, typisch möchte man meinen, geben schlicht und ergreifend „Spaß“ als Grund an. Lediglich die Franzosen fallen etwas aus dem Rahmen. Nur 35 % der Bevölkerung hat überhaupt Zugang zum Netz. Dies ist die niedrigste Rate in ganz Europa – in Frankreich kauft man lieber vor Ort, im Geschäft um die Ecke. Und möchte auf das „sinnliche“ Erlebnis beim Shoppen nicht verzichten. Diese Einstellung kann auch auf andere südliche Länder übertragen werden- hier gilt das Motto „Was ich nicht kenne, kann nicht gut sein“ . Der persönliche Kontakt steht im Vordergrund.

 

Man ahnt es schon – in Skandinavien sieht es ganz anders aus. Dänemark zum Beispiel belegt einen Spitzenplatz im Ranking: 75 % der User kaufen auch online. In Schweden, Norwegen, Finnland sieht es ähnlich aus. Und auch wenn es nach Klischee klingt: in den kalten Wintermonaten boomt das Geschäft im Internet.

 

Die Prognose: in den USA werden in den kommenden Jahren rund 11 % des gesamten Einzelhandelsumsatzes im Web erzielt. In Europa werden es nur ca. 6 % sein. Letzten Endes tragen Faktoren wie Preis, Sicherheitsdenken und – trotz allem – mangelnde Vertrautheit mit dem Medium Internet dazu bei, dass Verbraucher ihre Läden in der Stadt nicht gegen ein virtuelles Geschäft eintauschen werden.