Mehr Unternehmer mit Pioniergeist, Mut und Verantwortung

Chefredakteur Rainer Schultz überlegt, welche Unternehmerqualitäten es braucht, damit die Wirtschaft in Schwung gerät.

Schiff

Unternehmer sind Personen, die aus Leidenschaft ein Unternehmen aufbauen, führen und es für die Zukunft sichern wollen. Der Unternehmer ist ein Mensch, der seine Träume bunt ausmalen kann, aber nur den nüchternen gangbaren Weg sucht, auf dem er große Teile seiner Träume in die Wirklichkeit umsetzen kann. Ist das heute noch so?

 

Vielleicht, wenn man bedenkt, dass pro Jahr in Deutschland 150.000 Unternehmen gegründet werden. Alle haben eine Geschäftsidee und verfolgen den gleichen Zweck wie oben. Sie sind laut Handelsgesetz Unternehmer, Inhaber, Teilhaber, Arbeitgeber usw.

 

Warum der Begriff „Unternehmer in der Öffentlichkeit eher negativ besetzt ist, bleibt unverständlich. Für viele Menschen sind Unternehmer „unsozial“, weil sie mehr von ihren Mitarbeitern verlangen als diese zu geben bereit sind. Vor nicht wenigen Jahren wurden Unternehmer von den Gewerkschaften als „Ausbeuter“ beschimpft, was erfreulicherweise heute nicht mehr der Fall ist. Der eine gibt Arbeit, der andere führt sie aus. Das ist seit jeher eine ungleiche, also einseitige Situation. Und sie führt zwangsläufig zu Konflikten. Ist das Verhältnis aber in einem von beiden Seiten akzeptierten Gleichgewicht, dann kann die Zusammenarbeit auf einem fruchtbaren und gesunden Nährboden stehen. Hier wirkt das Prinzip „Geltung“: Die gegenseitige Achtung und Anerkennung sind die Voraussetzung für ein ausgeglichenes Verhältnis zueinander. Mitarbeiter, die kein Verhältnis zu ihrem Arbeitgeber haben, weil sie ihn nicht kennen, können diese Achtung nicht zeigen und leben.

 

Es gibt unzählige Unternehmerpersönlichkeiten, deren Lebensleistung eine beispiellose Geschichte erzählt. Meistens sind es Geschichten, die auf dem Geistesblitz „Erfindung“ beruhen oder es ist der leidenschaftliche Einsatz für eine gute Sache. Hier fallen uns sogleich Namen ein wie Ernst Abbe, Carl Zeiss, August Oetker oder Carl Lingner (Odol). Das waren Pioniere in Sachen sozialer Verantwortung und ihre Ideen oder Erfindungen beruhen auf einer leidenschaftlichen Suche nach Problemlösungen oder nutzenbringenden Erkenntnissen. Solche Unternehmer verbinden in der Regel ihr verantwortungsvolles Handeln immer auch mit der Wertschöpfung des eigenen Unternehmens.

Primäres Ziel: das Eigentum in die nächste Generation sichern

Unternehmen, deren Namen auf einem Gründer beruht, der eine Dynastie aufgebaut hat, haben in der Regel auch eine Philosophie. Meist sind es die Aussagen ihrer Namensgeber. Diese Leitsätze lesen sich daher auch ganz anders als die heute üblichen. Da steht z. B. der Satz des Unternehmers Freudenberg aus Weinheim wie in Stein gemeißelt und aus einem anderen Jahrhundert stammend: „Wir vertrauen auf eine grundsolide Führung, die auf persönlichem Beispiel beruht und durch Bescheidenheit, Vertrauen in die Mitarbeiter und Förderung des Teamgeistes geprägt ist.“ Eine Ausrichtung auf Langfristigkeit, durch die das Unternehmen auch für die nächste Generation gesichert werden soll. Diese Motivation, die man heute als „Überleben als Erfolgskriterium“ bezeichnet, ist einer der Erfolgsfaktoren der traditionellen Familienunternehmen wie Freudenberg, die heute einen erklecklichen Anteil an der Wirtschaftsleistung haben: 2008 betrug der Umsatz der 500 umsatzstärksten Familienunternehmen 910,9 Mrd. Euro.