Neue Chancen für das E-Book

 

Männer mit Handy
»Handy und Handheld bald gängige Unterhaltungsmedien? Das auf der Cebit vorgestellt DVB-H Handy von Siemens bietet sogar TV-Empfang.« (Quelle: Siemens Presse)

Erst sechs Jahre ist es her, da sorgte der US-amerikanische Hersteller GemStar mit der Einführung der sogenannten E-Books für Furore. E-Book, das bezeichnete ein Speichermedium mit großem Display, vom Format her ähnlich einem gebundenen Standardbuch. GemStar produzierte diese speziellen Lesegeräte, in denen der geneigte Leser bis zu 40.000 Buchseiten abspeichern und mit sich tragen konnte. Ein vielfältiges Sortiment an entsprechendem Lesestoff sollten Verträge mit fast allen namhaften Verlagsgruppen in Deutschland sichern. Zur Zielgruppe gehörten vor allem Pendler, denen sich in Zug, Bus oder Straßenbahn durch das E-Book unterwegs eine große Auswahl an Büchern erschließen sollte. Die Idee war revolutionär und so wurde schon sehr bald das Ende des traditionellen Buches gewittert.

 

Doch die Hersteller des elektronischen Buches machten die Rechnung ohne die Leser, denen sich mit der Einführung des E-Books im Grunde genommen kein Vorteil bot – sieht man von der Speicherkapazität der Hardware einmal ab. Die E-Books mussten zunächst für mehrere hundert Euro erworben werden und auch die digitalen Bücher unterschieden sich preislich nicht von ihrem gedruckten Pendant. Zudem fallen beim E-Book die Besonderheiten des Mediums Buch gänzlich unter den Tisch: Bücher werden häufig als persönliches Erinnerungsstück begriffen, als dreidimensionaler Gegenstand, der durch handschriftliche Anmerkungen, Widmungen, Signaturen und Eselsohren im Laufe der Zeit mehr und mehr individualisiert wird. Passionierte Leser waren daher mit dem E-Book nur schwerlich zu erreichen.

 

Zu guter Letzt widerfuhr dem E-Book ein ähnliches Schicksal wie so vielen Produkten vor ihm, denen es an Nachfrage mangelte: Es verschwand vom Markt. Im Juni 2003 stellt GemStar den Verkauf von Lesegeräten in Deutschland ein, am 16. Juli 2003 folgten die E-Book-Inhalte und Ende Juli wurde das deutsche GemStar Büro komplett geschlossen. Die Revolution war beendet, bevor sie überhaupt richtig beginnen konnte

 

Doch schon ein Jahr später beginnt die Renaissance des totgesagten E-Books, diesmal jedoch wurde erkannt, dass klobige Lesegeräte überflüssig sind. Wozu auch, tragen doch sieben Millionen Deutsche schon heute täglich einen Handheld-PC oder ein Smartphone mit sich – Tendenz steigend. Und so wagt der Rowohlt-Verlag zusammen mit der Internetbuchhandlung libri.de einen Neuanfang in Sachen E-Book. Und diesmal könnte es tatsächlich ein Erfolg werden. Der Begriff „E-Book“ beschreibt nicht länger die teure Hardware sondern die Inhalte, also die Bücher selbst. Die Geräte sind vielerorts vorhanden, der Kauf neuer Hardware wird somit überflüssig. Ohne diese anfänglich notwendige Investition von 500,00 Euro und mehr sieht der Nutzer das E-Book gleich mit völlig anderen Augen. Zudem unterliegen die elektronischen Bücher nicht der Buchpreisbindung und werden daher rund 10 bis 20 Prozent günstiger angeboten.

 

Die Chancen stehen also nicht schlecht. Das E-Book scheint sich als weitere Möglichkeit zur Nutzung des Handheld-PC zu etablieren. Als Zusatz für Smartphone-Nutzer, nicht aber als Ersatz des gedruckten Buches.