Paid Content im Internet

Das Gespenst des Paid Content geht immer mal wieder um in der Medienwelt – der Meldung, dass die Zukunft des Internets in kostenpflichtigen Inhalten liege, folgt die Nachricht, dass Paid Content tot sei. Wie die monatelange Dementi-Kampagne des beliebten Social-Network-Portals StudiVZ zeigte, lässt sich besondere Aufmerksamkeit mit dem Gerücht erzielen, dass erfolgreiche Angebote im Web nun plötzlich kostenpflichtig werden sollen. Das erschreckt die Nutzer und führt zu allgemeinem Medieninteresse. Doch was bedeutet Paid Content eigentlich für Erzeuger und Nutzer? Wir stellen Ihnen einige Beispiele vor.

Laptop mit Kreditkarte

Was ist Paid Content?

Grundsätzlich versteht man unter Paid Content kostenpflichtige, intellektuell aufbereitete Inhalte im Internet. Ein klassisches Beispiel ist etwa der vollständige Onlinezugriff auf die Tageszeitung oder auf das Zeitungsarchiv, aber auch das Herunterladen von Musik oder Hörbüchern fällt unter den Begriff. Somit ist Paid Content oft mit dem einmaligen Download einer Datei verbunden. Für den Konsumenten ist dabei der Erhalt eines Produktes ausschlaggebend. Generell unterscheidet man Paid Content von den Paid Services: dies sind Dienstleistungen, bei denen sich die gesamte Nutzung im Internet abspielt; dabei ist offline nie der gleiche Service geboten wie online. Typisches Beispiel für einen Paid Service ist das Angebot einer Dating-Plattform im Internet.

Qualität hat Chancen

 

Die Vorteile von Bezahlinhalten für Nutzer liegen dabei klar in der Qualität des Angebots, denn nach wie vor schwebt über vielen gratis Online-Informationen der Schleier der mangelnden Seriosität. Will man also verlässliche Informationen, kann man auch im Netz das Angebot etablierter Marken nutzen. So sind etwa die Duden-Wörterbücher kostenlos online durchsuchbar, man bekommt aber nur den Anfang eines jeden Eintrags angezeigt. Der Vollzugriff ist kostenpflichtig und kann über individuelle Abonnements (für Privatpersonen oder Firmen, mit zeitlicher Begrenzung oder je nach Anfragevolumen) genutzt werden. Gleichzeitig können Anbieter auch Nischeninhalte seriös darstellen, da Webseiten, die nicht werbefinanziert sind, nicht in dem Maße von der Klickzahl abhängig sind, wie solche, die sich ausschließlich durch Anzeigen finanzieren.

 

Für die Provider bedeutet das Anbieten von Informationen gegen Geld in erster Linie einen Vermarktungskanal für ein Produkt, das einer speziellen Kostenstruktur unterworfen ist: hohe Herstellungskosten (für Recherche, Redaktion, Marketing, etc.) stehen extrem geringen Vervielfältigungskosten gegenüber. Paid Content bietet eine Möglichkeit, diese Diskrepanz aufzufangen.

Paid Content hat es schwer: die Gratis-Ideologie des Internets

Nun ist ja eigentlich das Konzept, dass man für Leistungen oder für Informationen bezahlen muss, nichts Außergewöhnliches. Dennoch gibt es eine geringe Kundenakzeptanz gegenüber entgeltpflichtigen Inhalten im Internet. Woran liegt es, dass wir im Internet weniger als in der echten Welt bereit sind, für qualitativ hochwertige Inhalte Geld auszugeben? Kunden nehmen das Internet als Gratis-Medium wahr und sind daran gewöhnt, Inhalte im Internet kostenfrei zur Verfügung gestellt zu bekommen: dies reicht von (semi-) professionellen Online-Wörterbüchern, Enzyklopädien, Social-Networking-Portalen und Spielen bis hin zu Community-generierten Beziehungs-, Fitness-, oder Gartenbauratgebern. Und oft sind die Gratis-Inhalte ja auch einwandfrei. Wenn diese Entwicklung auch in den frühen Jahren des Internets nicht unbedingt abzusehen war, hat sich ideologisch als ein zentraler Gedanke des Internets herauskristallisiert, dass Menschen sich über ihre Interessen und ihr Spezialwissen austauschen. Dies einfach aufzugeben, ist niemand gewillt. Viele Gruppen wenden sich dezidiert gegen unfreie Informationen im Internet und veröffentlichen nur unter dementsprechenden Lizenzvereinbarungen (Wikimedia Foundation, GNU, Copyleft,  etc.). Auch aus diesen Mentalitätsgründen ist es schwer, ehemals kostenlose auf zu bezahlende Inhalte umzustellen, besonders, wenn ähnlich gute Alternativen weiterhin gratis angeboten werden