Produkte für die reifere Zielgruppe -

ein vernachlässigtes Geschäft?

Produkte

Das Produktmanagement in den Betrieben muss aufpassen, will es nicht einen Trend verpassen, der sich in den kommenden Jahren dynamisch entwickeln wird. Diese Behauptung gilt für Bereiche, die besonders den älter werdenden Bevölkerungsteil als Kunden bedienen möchten und können. Das Nachfragepotential ist aber groß. Gesundheit und Ernährung, Touristik, Bildung, Technik und Kommunikation, Wellness und Freizeit sowie die neuen Lebenswelten der Älteren, besonders in ihrer nachberuflichen Lebensphase, sind die relevanten Gebiete, auf denen die neuen Produkte und Angebote entstehen sollten. Dabei gilt es zu berücksichtigen, wie sich die soziale Struktur dieser (neuen) Zielgruppe gliedert. In Deutschland jedenfalls sind die Lebenswelten des etablierten Mittelstandes und der Frauenwelt des gehobenen Niveaus mit Werten von 121 bzw. 130 (Basis 100) im Vergleich zu anderen europäischen Ländern überdurchschnittlich vertreten.1

 

Die Einschätzung, der nachberufliche Lebensabschnitt führe zu Konsumreduzierungen aus Geldmangel, ist falsch. Diese Zielgruppe ist für viele Unternehmen noch „Neuland“. Will man diesen Menschen für die oben erwähnten Bereiche neu entwickelte Produkte anbieten, sollte man berücksichtigen, dass ihre Kaufkraft zwar enorm groß ist, sie aber für Remakes für „Ältere“, das heißt altersgerechte Konsumprodukte, nicht zu haben sind.

"Die hedonistische Lebenseinstellung" - das Motiv für neue Produkte

Die Menschen im „reiferen“ Alter – die meisten von ihnen leben allein oder zu zweit – wollen die Jahre, die noch vor ihnen liegen, in Zufriedenheit und Glück verbringen. Sie haben vieles erlebt, was ihre Lebensweise geprägt hat. Aber sie haben auch einen kritischen Verstand gegenüber Althergebrachtem entwickelt, der ihr Konsumverhalten beeinflusst. Vor wenigen Jahren war „Bio“ noch ein Pflänzchen in der Produktvielfalt, heute ist es eine feste Größe.

 

Die Sportartikel-Hersteller müssen sich etwas Besonderes einfallen lassen, wenn sie ihre Kunden ein „Leben“ lang behalten und bedienen wollen. Weil die immer älter werden und von ihrem Arzt Bewegung verschrieben bekommen, müssen Bewegungssportarten entwickelt werden. „Nordic-Walking“ ist ein unübersehbarer Beweis dafür, wie schnell so etwas geht. Einst waren die Stöcke zum Bergsteigen gedacht, um Halt und Trittsicherheit zu geben, inzwischen sind sie in den Parks und Waldwegen auch für Jüngere das Begleitgerät für die dringend benötigte Bewegungs-Therapie.

 

Alles, was die Lust befriedigt, könnte man zum Hedonismus zählen, alles, was die „Reiferen“ zu glücklicheren Menschen macht, wird von ihnen auch gekauft. Vor einigen Jahren lautete einmal das Motto: „Man gönnt sich ja sonst nichts!“ Ein heute völlig überholter Slogan, denn die „Reiferen“ gönnen sich eine ganze Menge, ihre Kaufkraft ist noch gar nicht richtig ausgeschöpft.

 

(Die Agentur stellt auf Anfrage gerne eine Liste von Produktideen vor. Bitte wenden Sie sich mit Namen und Branche an die Redaktion).

 

Infobox

Dass Produkte für Senioren nicht automatisch alt aussehen müssen, beweisen die Entwürfe der Universität der bildenden Künste in Berlin. Dort haben engagierte Studenten altersgerechte Produkte und Verpackungen entworfen.

 

Der Bereich senior/life/style widmet sich gezielt neuen Produkten und Nutzungsweisen, um selbstständige Lebensweise im Alter zu unterstützen.

 

Sesamerforscht dem Umgang älterer Menschen mit Arzneimittel (Tablettenverpackungen, Blister, Portionierungshilfen). Probleme mit Verpackungen können zum Hindernis werden, wenn altersbedingte, körperliche Beeinträchtigungen hinzukommen. Das kann soweit gehen, dass die selbstständige Lebensführung beeinträchtigt wird. Dabei kann eine Verpackung durch Handling, Funktion und Information, Komfort und Ästhetik ausgesprochen nützlich sein. Auch hierzu ließen sich die Berliner Studierenden einige nützliche Beispiele einfallen.

 

Die Projekte werden betreut durch die Designer Karin Schmidt-Ruhland und Frank Steinert.

 

Weitere Informationen erhalten Sie bei Karin Schmid-Ruhland.

E-Mail: kruhland@udk-berlin.de

 

1Quelle: GfK Lebenswelten in Europa