Quittung für mangelndes Vertrauen

Eine komplizierte Situation, die neue Dialoge verlangt

Wahlcollage

Die Schlacht ist geschlagen. Viele Reden, wenig Konkretes. Das war die Quintessenz. Das Ergebnis der Wahl zeigt, dass die beiden großen Parteien das Vertrauen der Wähler nicht gewinnen konnten. SPD und Union haben nahezu die gleiche Anzahl der Stimmen bekommen, regierungsfähig ist damit aber keiner der beiden. Die vorgezogenen Wahlen bescherten dem Land einen relativ kurzen, aber heftigen Wahlkampf, vor allem geprägt durch klassische Plakat- und Fernsehkampagnen. Doch sind dies die idealen Möglichkeiten, um die Zielgruppe „Wähler“ zu erreichen, um ihr Vertrauen zu gewinnen?

Der stumme Wähler

Wahlkampf ist Werbung. Daraus resultiert, dass der deutsche Wähler immer mehr zum Konsumenten degradiert wird statt als mündiger Bürger gestärkt zu werden. Der Wähler an sich wird nunmehr als Zuschauer und Quotenbringer betrachtet, der Dialog bleibt dabei auf der Strecke. Dabei haben die Parteien doch eines der wichtigsten Massenmedien unserer Zeit auf ihrer Seite: Das Internet. 60 % der wahlberechtigten Bevölkerung verfügen mittlerweile über einen Internetzugang. Dem gegenüber steht die bedenklich Zahl von 70 % der Wähler, die sich durch die klassische Fernseh- und Plakatwerbung der Parteien nicht mehr zum Urnengang motiviert fühlen.1Warum?

Internet-Dialog als Chance vertan

Wie wichtig der Dialog in der Werbung, ja in der gesamten Kundenbeziehung ist, das ist in der freien Wirtschaft mittlerweile hinlänglich bekannt. Doch gerade auf dem Gebiet der Politik wird der Dialog mit dem Wähler, also mit der zu vertretenden Person, sträflichst vernachlässigt. Kann man jemanden vertreten, den man gar nicht kennt? Gerade hier bietet das Internet den Politikern und Parteien ungeahnte Chancen, die leider bisher nur am Rande genutzt werden – wenn überhaupt. Die Online-Auftritte des Kanzlers und seiner Herausforderin haben eher das Erscheinungsbild elektronischer Broschüren. Diskussionsmöglichkeiten werden dem interessierten Bürger dagegen nicht geboten. Das Internet wird lediglich als Präsentationsoberfläche genutzt, als „Mitmachmedium“ jedoch wird es in der Politik bislang weitgehend verkannt.

 

Die Wählerstimme ist mehr als nur ein Kreuz. Von Seiten der Parteien wird dies aber häufig unterschätzt. Stattdessen hat man eher den Eindruck, dass die unterschiedlichen politischen Lager viel zu sagen haben, zuhören hingegen fällt ihnen schwer.

"Kandidatenwatch.de" stellte die Programme vor

„Kandidatenwatch.de“, eine Idee von Gregor Hackmack und Boris Hekele, zeigt, dass der Dialog per Internet funktioniert. Der interessierte User konnte sich hier während des Wahlkampfs parteiübergreifend informieren und mit den Kandidaten direkt in Kontakt treten. Warum war das vielen nicht bekannt? Unter „abgeordnetenwatch.de“ kann nun mit den Mitgliedern des Bundestages diskutiert werden.

 

Das Internet kann dem Wähler helfen, seiner Stimme auch einen Klang zu geben. Den Parteien kann es helfen, durch persönliche und regelmäßige Ansprache neues Vertrauen aufzubauen. Das Internet fördert den Dialog – man muss es nur zu nutzen wissen!

 

1 Quelle: Infratest dimap