Telefonwarteschleifen, eine Frage der Corporate Culture

 

Telefon

Armer Mozart. Seine Nachtmusik ist ein Telefon-Gassenhauer, die Musikrechte gehören der Allgemeinheit. Beethovens „Für Elise“ ebenso. Manchmal klingen große Symphonieorchester-Imitate durch die Hörmuschel wie in Blechdosen verpacktes Hundefutter schmeckt. Grausam. Woher kommen die Musiktitel? Ganz einfach. Netzanbieter, wie Post oder Hersteller größerer Telefonanlagen, bieten einen Katalog in Synthetikbrei verwandelter Populär-Klassik. Spitzenreiter bleibt Mozarts Serenaden Musik. Durch die Lizenzeinnahmen über die GEMA wäre Mozart, der Zeit seines Lebens an chronischer Geldnot litt, heute Multimillionär.

Ganz wenige Unternehmen haben ihre Telefon-Kontakaufnahme mit neuen Ideen bereichert

Ein Dienstleister in Österreich lässt einen Schauspieler Witze erzählen, ein anderes wechselt je nach Jahreszeit zwischen Meeresrauschen und Vogelgezwitscher. Im Winter z. B. hört man das Aneinanderreiben von Eisbergen. Eine Kinderklinik sollte sich von Mozart trennen und das Pochen des Ungeborenen von einem guten Musiker in Sound setzen lassen. Übrigens: Ein menschliches Herz schlägt ca. 120-mal in der Minute. Erhöht man den Rhythmus, regt das den Hörer an. Ein langsameres Tempo beruhigt. Besonders beliebt sind Naturgeräusche. Regentropfen, Tiefseefrequenzen u. v. a. Wie man daran kommt? Anbieter gibt’s zur Genüge im Internet. Über Kosten und Aufführungsrecht sollte man sich vorher erkundigen.

 

Ohrenmerk sollte man auf die Stimme legen, die evtl. kommentiert bzw. kommuniziert. Sie darf keineswegs provinziell oder aufgesetzt klingen. Bei aller Begeisterung für dieses Projekt sollte man vorher ein Konzept machen und es dann von Dritten umsetzen lassen. Telefonwarteschleifen und -stimmen sind der phonetische Briefkopf eines Unternehmens.