"...und ein Dreck vielleicht scheiß ich"

Hommage an W.A. Mozart, der am 27. Januar vor 250 Jahren geboren wurde

Mozart
»Heute wäre er ein Medien-Star. Ob er den Nerv dazu hätte?«

In seiner Musik steckt auch nach 250 Jahren ein ungehobener Schatz, dessen Bergung noch ein paar hundert Jahre in Anspruch nehmen wird oder dessen Geheimnis vielleicht nie entdeckt wird. Er, Wolfgang Amadeus, geboren am 27. Januar 1756, zählt zu den Größten der Menschen. Alle Versuche, sein Genie und Wesen zu ergründen, beginnen und enden in der Metaphysik. Die vielen Schriften und Überlegungen, das Geheimnis seiner Musik nach den Gesetzen des Lebens zu erfassen und begründen zu können, sind gescheitert. Die Quellen über seinen Lebenslauf sind zwar umfangreich, aber trotzdem dürftig. Außer seinen Schilderungen von Erlebnissen, den vielen Reiseberichten oder die beruhigenden Unwahrheiten in den Briefen dem Vater gegenüber, geben seine dadaistischen und derben Reime eher weitere Rätsel über seine Persönlichkeit auf, als Aufschluss über sein wahres Inneres.

Musik, die berührt, begeistert und inspiriert

Sein seelisches Vermächtnis sind 626 Werke, die innerhalb von drei Jahrzehnten entstanden sind. Mozart hat der Nachwelt den Schlüssel hinterlassen, das Innere des Menschen öffnen zu können. Seine Musik hat eine beglückende Macht, sie ist hilfreich und einfühlsam zugleich. Das Dramatische bleibt ohne Angst, die Leichtigkeit hat Tiefe. Wen sie anspricht, der bleibt für immer von ihrem Zauber berührt. Trauer und Freude liegen ja so nahe beisammen und wie diese Musik aus ihrer tiefen menschlichen Urform Trost und Glück zugleich vermittelt, ist in der Musikgeschichte unvergleichbar und unerreichbar. Mozarts Musik hat Harmonien und Einfälle, wie sie nie mehr erfunden werden können, ein unerschöpfliches Geschenk für die Menschen. Wenn man hineinhört und darin versinkt, kommt der Gedanke auf: schöner, aufregender, menschlicher, dramatischer, lieblicher und einfühlsamer kann irdische Musik nicht sein.

 

Dieser in Noten festgehaltene Schatz ist noch völlig ungehoben. Vergleicht man die Mozart-Interpretationen seit Aufzeichnung der Schallplatte mit heutigen Aufnahmen und deren Interpreten, also fast 100 Jahre Phonographie-Geschichte, dann hat sich die Musik in ihrer Diktion drastisch verändert. In weiteren hundert Jahren kommen wir der Wahrheit Mozarts vielleicht einen Taktschlag näher. Der Genius „Mozart“ zeigte sich während der absolutistischen Zeit durch radikale Freiheit in der eigenen Meinung, starke Bindungen und Verpflichtungen zu Verwandten, Freunden und Liebschaften gegenüber, Toleranz zu jeder anderen Meinung sowie exzessive Entfesselung bei ausschweifenden Feiern, ohne dabei die Harmonie seiner Persönlichkeit aufzugeben. In ihm sind so viele Geheimnisse wirksam, auch heute noch, dass im Grunde nur einer sie ganz verstehen kann – er selbst. Wenn Sie, lieber Leser ihn näher kennen lernen wollen, hier unsere Musikempfehlung: hören Sie das Klavierkonzert Nr. 20 KV 466, gespielt von Alfred Brendel, und Mozart wird auch Sie nicht mehr loslassen.