Untergräbt Public Relations den Journalismus?

Rasantes Wachstum aller Wissensbereiche und die Informationsflut einer immer größer werdenden Gesellschaft verhindern, dass veröffentlichte Sachverhalte nicht mehr auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden.

Kampf
Journalismus oder Öffentlichkeitsarbeit, wer wird den Kampf gewinnen?

Als wichtigste Quellen für Informationen aller Art dienen nach wie vor die Massenmedien. Durch den Siegeszug des Internets ist es für jeden noch einfacher und schneller, sich Wissen aller Art anzueignen. Nicht nur vielfältigste Inhalte abzurufen, sondern diese selbst zu produzieren, ermöglicht dieses Medium. Mit den technischen Fortschritten des Web 2.0 ist es nun auch der breiten Masse möglich, journalistisch tätig zu werden. Ohne Rücksicht auf Qualitätsansprüche produzieren User Informationen und stellen diese online.

Unabhängigkeit des Journalismus in Gefahr

Wenn es um seriösen Journalismus geht, greift man also besser auf das enorme Informationsangebot der führenden deutschen Nachrichtenagentur und einer der großen in der Welt, der Deutschen Presse-Agentur GmbH (dpa), zurück. Laut Agentur-Motto steht „dpa” für unabhängige, zuverlässige, aktuelle und umfassende Nachrichten.“ Aber ist das wirklich so?

 

In seiner Diplomarbeit der Universität Leipzig untersuchte der Medienwissenschaftler Tobias Höhn den Einfluss von PR auf den Journalismus am Beispiel der dpa. Und stellte fest, dass 82 % aller bei der dpa eingehenden Mitteilungen Pressemitteilungen waren. Zwar wurden die meisten sofort aussortiert, dennoch wurden immerhin aus 9 % Nachrichten gemacht, ohne diese nachrecherchiert und auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft zu haben.

 

Generell gilt, die Kapazitäten „Geld“ und „Zeit“ der Berichterstatter schrumpfen, so dass die Journalisten gerne bereit sind, PR als Informationsquelle zu nutzen. PR und Journalismus arbeiten heute intensiver zusammen, denn je. Ca. 70 % aller Journalisten verwenden PR-Material. Und auch die Verarbeitung der Informationen überlassen die Journalisten immer öfter den PR-Fachleuten.