Verschläft Deutschland die Autozukunft?

 

Tacho
»9 Liter pro 100 km – so viel verbraucht ein deutsches Automobil im Durchschnitt«

Die Evolution ist bekanntermaßen eine Theorie von Charles Darwin. Dieser behauptete, dass sich in der Natur immer der oder das Stärkere durchsetzt. Gehen wir einmal 175 Jahre zurück und sehen uns die Entwicklung unseres Verkehrwesens an und versuchen nun das Prinzip von Darwin zu übertragen. Danach kann das Auto im Fernverkehr nur der Verlierer sein. Ein Mensch sitzt in einem Auto und fährt von A nach B; dabei ist sein Energie-Verbrauch exorbitant hoch, sein Platzanspruch zu allen vier Seiten übersteigt bei Weitem die Dimensionen des Fahrzeuginnenraumes und nicht zu knapp sind die Gewichte, die pro Mensch und Maschine über die Straßen rollen. Noch ein Prinzip ist gegen das Auto, diesmal ein physikalisches. Es ist die These von der Kraft – im Gegensatz zur Evolutionstheorie von allen Wissenschaftlern zweifelsfrei anerkannt. Demnach ist die Formel für Energie wie folgt: Kraft = Masse x Beschleunigung. Beschleunigt wird jedes Verkehrsmittel, aber die teuerste Variante ist und bleibt unser geliebtes Status-Symbol: das Auto. Wie lange noch? Was tun die Autobauer gegen diese Erkenntnis?

Die Autobauer verschließen sich der Möglichkeit, Komfort und Leidenschaft mit Ökologie und Ökonomie zu verbinden.

Trotz knapper werdender Ölressourcen und gleichzeitig steigender Preise ignoriert die Autoindustrie, allen voran die deutsche, die Signale. Richtungsweisend fuhr ja noch Herr Piech vor vier Jahren in einer 1-Liter-Studie von VW und ließ verlauten, es solle Ausblick auf eine neue Fahrzeugfamilie geben – die des Sparmobils.

 

In der Zwischenzeit ist bei VW nicht viel in dieser Richtung passiert. Im Gegenteil: Der 3-Liter-Lupo (VWs bisher sparsamstes Serienauto) wurde wieder eingestellt. Angeblich konnte man die Mehrkosten, die das Auto für seine fortschrittliche Technik beanspruchte, dem Endverbraucher nicht plausibel machen. Es fehle dem Auto unter anderem an Leidenschaft, es wecke nicht den „Haben wollen“-Effekt im Autofahrer.

 

Ein eindeutiger Marketingfehler seitens VW. Es gibt gerade bei Autofahrern ein großes Interesse an fortschrittlicher Technologie. Und ein Auto wie der 3-Liter-Lupo mit seinen innovativen Ideen wie dem SNAKonzept (Schwungnutzungautomatik) ist gerade dazu prädestiniert, Interesse zu wecken. Interessanterweise spielt laut einer Studie des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) das Thema Benzinverbrauch in der Werbung eine sehr untergeordnete Rolle. Und das trotz ständig steigender Benzinpreise.

 

Ein Auto wird heute fast nur über den Spaßfaktor verkauft, wie die weiteren Zahlen des BUND zeigen. 42 % der Automobilwerbung in Deutschland konzentrieren sich auf die Emotionen Geschwindigkeit, Sportlichkeit und Abenteuer, zusammen mit den Themen Neid und Design kommen diese Kriterien sogar auf 50 %. Umwelt und Verbrauch werden nur zu 4 % in der Werbung berücksichtigt.