Welche Farbe(n) hat die Welt?

„Ein Naturphänomen hat die Menschheit schon immer fasziniert und begeistert: der Regenbogen. Fließend gehen die Farben von Violett über Grün und Gelb bis Rot ineinander über. Kleine Wassertröpfchen brechen das Sonnenlicht und zerlegen es in seine Spektralfarben.“

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Bild: Eckerhard K., 11 Jahre

„Schööön!“, sagen wir und freuen uns über die bunten Farben, die den dunklen Regenwolken eine eigene, fast mystische Stimmung geben. Selten wird uns bewusst, dass jede Farbe auf uns Menschen ihre eigene Wirkung hat. Bei der Kleidung, in Wohnräumen, dem Auto und ... für die Marketingstrategien ist sie ein wesentlicher Teil der Corporate Cultur.

 

Wie sehr Farben uns psychologisch beeinflussen, ist nicht erst seit Max Lüscher bekannt! Aber er zeigte mit seinem Buch „Der 4-Farben-Mensch“ einen Weg zu innerem Gleichgewicht auf. Für ihn symbolisierten vier Farben ein Selbstgefühl:

 

Grün Selbstachtung („Edelmann“)

(Echtheit, Überzeugungstreue, Identität, das Verhalten entspricht der Überzeugung)

Gelb Selbstentfaltung („Hans im Glück“)

(die gegebenen Möglichkeiten wahrnehmen, Unabhängigkeit, Freiheit)

Rot Selbstvertrauen („Robinson“)

(Bereitschaft zur Leistung, Anwendung der eigenen Kräfte und Fähigkeiten)

Blau Selbstbescheidung („Diogenes)

(Einordnung in die gegebenen Möglichkeiten; Bereitschaft zu verzichten und zu geben)

 

Den Farben hat Lüscher auch Elemente und Temperamente zugeordnet und in der Ganzheit der Empfindung und des Verhaltens die Lebenskunst des 4-Farben- Menschen gesehen: siehe oben.

 

Selbst Goethe hat sich mit einer Farbenlehre beschäftigt. Sein Geist und Scharfsinn hat es so ausgedrückt: „Ich habe nichts dagegen, wenn man die Farbe sogar zu fühlen glaubt.“

Farben in der Werbung – oder wird es uns zu bunt?

Werbemittel wirken selbstverständlich als Ganzes und haben viele Einflussfaktoren, durch die sie wirken. In der Werbung werden Farben, ja sogar Farbnuancen, genutzt, um emotionale Aussagen zu verstärken und hervorzuheben.

 

Schon vom Geschmack her, verbinden wir Rosa und Lila eher mit Süßem, Grün mit bitter, sauer, salzig. Vom Temperaturempfinden gilt Rot als warm und heiß, Blau als kalt und tief wie Wasser, Weiß-Blau als eiskalt. Vom Tastsinn her empfinden wir Dunkelblau als sehr rau, Hellblau als glatt. Gelb wirkt auf uns erregend und heiter, Grün beruhigend wie die Natur. Selbst Effekte wie Leichtigkeit und Schwere können durch Farben ihren Ausdruck finden. Hier gilt: je heller die Farbe umso leichter. Übrigens wirken warme Farben wesentlich näher als kalte.

Farben lösen Gefühle und Assoziationen aus.

Sie führen beim Betrachter sogar zu (meist unbewussten) Reaktionen. Dabei dürfen wir jedoch die kulturellen Bedeutungen nicht außer Acht lassen, weil Farben in verschiedenen Kulturkreisen zu anderen Empfindungen führen. Weiß ist in China und Japan die Farbe von Trauer und Tod, während sie in europäischen Ländern für Friede und Unschuld steht.

 

Die Signalwirkung einer Produktverpackung soll Erzeugnisse herausheben aus der Masse. Und natürlich zum Inhalt führen, um Appetit zu machen oder z. B. Reinheit zu suggerieren. Es ist sicher kein Zufall, dass Gelb bei zitronenfrischen Reinigungsprodukten verwendet wird, wie auch bei goldgelber Rama, die man sich neben wogenden Getreideähren aufs Brot streicht.

 

Einleuchtend ist auch, dass das Rot von Lippen und Nägeln erotische Reize wecken soll und kraftvolle Energie, Zuversicht und Leistungsfähigkeit unterstreicht. Sanfte Weichspüler sind rosa oder blau, während uns die lila Kuh verführt zur zartesten Versuchung, seit es Schokolade gibt.