Wer den Konjunktur-Knoten lösen will, braucht Zuversicht und Weitblick

Wollen wir mal den Politikern keine Schuld geben, die wirklich guten Konzepte in der Tasche haben aber nicht entscheiden können oder dürfen. Immerhin soll es einige davon geben. Unter politischer Entscheidung versteht man heute im Allgemeinen den Anschluss an eine Gruppe oder Partei. Als Bürger einer Gesellschaft, die einen Volksvertreter ins Parlament wählt, sollte man demnach wesentlich näher das jeweilige Parteiprogramm kennen, als sich von dem sympathiewert der Protagonisten beeinflussen zu lassen. Grundlage unserer heutigen Politik ist der Kompromiss, so weit so gut.

Tunnel
»Ein klar definiertes Ziel und Eigeninitiative bringen jeden weiter.«

Aber: die zeitraubende Findung von Vereinbarungen ist der Tatbestand, den wir heute bemängeln. Schnelligkeit, Transparenz, zwei bedeutende Faktoren im modernen Wirtschaftsbetrieb sind der heutigen Politik nicht eigen. Transparenz bedeutet, dass alle Vorhaben und Reformen verständlich dargestellt werden und den Charakter eines verständlichen Konzeptes haben müssen. Hier fehlt es an dem richtigen Einschätzen der allgemeinen Meinung auf Seiten der Politik und an einem Zeitplan, das Richtige im richtigen Moment richtig zu tun.

"Initiative Jetzt" heißt das Zauberwort

Zuerst einmal müssen wir fast allen Politikern den wirkungsvollsten Tipp geben, der sie in einem besseren PR-Licht scheinen lässt. Es ist die Streichung bestimmter Worte aus ihrem Vokabular »Ich« oder »Wir«, »immer« und »niemals«. Jeder Manager lernt in seinem ersten Motivations-Kurs, dass diese Aussagen die Totengräber jeder Innovation sind. Zweitens fehlen die klaren Perspektiven, sprich die Wahrheit, über die Folgewirkung der Maßnahme. Das Privileg der Politiker, auf Staatskosten zu speisen oder zu reisen (Trennungszulagen etc.) und obendrein satte Diäten in Anspruch zu nehmen, verwandelt sich in das zunehmende Risiko, nicht mehr glaubhaft zu sein, wenn er von »wir« redet.

Für manche Unternehmen ist ein rauer Wind viel besser für die Innovationen als ein flauer Rückenwind

 

Für die Politiker ist es so: Je stärker der Wind ins Gesicht bläst, desto mehr wird geredet und um so weniger erkennt man das Prinzip des Handelns.

 

Wenn die Nachfrage nach Produkten wächst, ist das der Anfang einer Kettenreaktion. Sieht man auf die Kaufkraft der Verbraucher, könnte man den Eindruck gewinnen, dass es nur einer Initialzündung bedarf und das pralle Sparschwein von nicht realisiertem Konsum müsse irgendwann mal platzen. Tatsächlich ist das unser ganzes volkswirtschaftliches Problem. Vertrauen, Perspektive, Sicherheit und Eigeninitiative heißen die Säulen auf dem der Konjunktur-Motor basiert. Wenn das Fundament bröckelt, muss saniert werden, wenn der Motor anspringen soll, muss das Ziel definiert sein. Wir stehen kurz davor. Langsam wird der Druck der Erneuerung so groß, dass viele Menschen und vor allem Unternehmer sich auf Rückenwind einstellen müssen. Ab 2 Prozent Wachstum werden Arbeitskräfte eingestellt, eine Nullrunde kann sich die Wirtschaft nicht mehr leisten. Als europäischer Mitläufer, der seine Maastricht-Auflagen auch in 2004 verletzt ohne jetzt zu handeln, sind die Menschen in Deutschland nicht bereit, sich aus dem Portofolio etwas mehr zu gönnen, als das Notwendigste. Betroffen sind sie aber selbst davon. Das ist das Unverständliche an der freien Marktwirtschaft, die auf der Kettenreaktion der Nachfrage und ihrer psychologischen Kräfte aufbaut. Seit sie existiert, braucht sie Wachstum. Weil Stillstand Rückschritt ist. Das soll man einem Kind erklären. Und alle Konsumenten sind mal Kinder gewesen. Entweder sie haben sich angepasst oder gelernt, wie man mit der eigenen Erfahrung die Zukunft meistert. Wer gelernt hat, mit Geld umzugehen, der handelt immer mit Bedacht.