Wie wichtig ist die eigene Stimme für den Erfolg?

Sympathie und Antipathie werden oft nur über die Wirkung der Stimme erzeugt

Sängerin
»Die Stimme, unser Instrument von Kopf und Bauch«

Jeder Mensch hat eine Stimme, jede Stimme hat einen Charakter und jeder Charakter ist einzigartig. Genau wie der Habitus und das Antlitz des Individuums einen unverwechselbaren Kern bilden, genau so ausgeprägt und phonetisch individuell ist die dazu gehörige Stimme. Alle Berufstätigen, die mit Menschen zu tun haben, müssen viel sprechen, reden und ihre Stimme in ein Instrument verwandeln. Tatsächlich ist sie auch eins. Unsere Stimme ist der Teil von uns, der wie ein Cello oder eine Gambe Töne produziert, die als angenehm oder unangenehm empfunden werden. Außerdem ist die Stimme der „Lautsprecher“ von Seelen- und Empfindungs-Situationen. Anders ausgedrückt: Die Stimme ist das Menschlichste, was wir haben. Also fangen wir einmal an, unsere Stimme zu prüfen.

 

Der Eigentest:Man nehme sein Manuskript des letzten wichtigen Auftritts mit eigener Stimme und stelle sich vor ein Aufnahmegerät. Die freie Rede wird aufgenommen. Jetzt hört man sich das Ganze an und bewertet nach folgenden Kriterien: Deutlichkeit, Verständlichkeit, Sprechtempo und Klang. Selbstverständlich darf man hier selbstkritisch sein. Aber auch nicht zu hohe Ansprüche stellen. Der Grundcharakter einer Stimme lässt sich so ohne weiteres nicht verändern, wohl aber korrigieren und trainieren.

Wie wirkt die Stimme auf andere?

Bekannte Stimmen aus Film und Funk sind für uns unerreichbar, so das Hauptargument gegen eine Stimmbildung. Das stimmt aber nicht. Der Fernsehmoderator oder die Redakteurin haben ein Klangbild in ihrer Stimme, das antrainiert wurde. Und das können auch wir lernen. Fast alle Menschen haben etwas an ihrer Stimme auszusetzen. Es ist gar nicht der Klang, welcher bemängelt wird, sondern es ist der Sprechstil und die Verständlichkeit, die als unangenehm empfunden werden. Eine Stimme und die Artikulation sind das Spiegelbild dessen, der sich mit diesem Instrument ausdrückt.

 

Was an Stimmen nervt ist schnell aufgezählt. Wer zuviel redet, wer zu leise und zu schnell redet, wer undeutlich redet und wer die „Aaahhs“ und „Ääähhs“ synonym für Worte benutzt, nach denen er während eines Vortrages sucht. All das kann man ausmerzen.

Gewusst wie

Das Tempo richtet sich nach den Zuhörern.Wenn man eine kleine Gruppe Zuhörer vor sich hat, bleibt die Stimme relativ normal in Tonhöhe und Rhythmus. Gutes Artikulieren und vor allem im Face to Face-Bereich das Verständnis vom Zuhörer mittels Blickkontakt einholen. Ist die Runde allerdings wesentlich größer, braucht man mehr als Klang, Rhythmus und angepasstes Sprechtempo. Hier ist Emphase das richtige Mittel. Man intoniert durch Betonung und Steigerungen. Fragen werden als Fragezeichen gesprochen. Überschriften erhalten eine fettere Unterstreichung, Marginalien eine leisere Gangart.

 

Vorsicht: jede Übertreibung wird als unangenehm empfunden. Jede Temposteigerung wird undeutlich, jede Verlangsamung wirkt ermüdend. Wer einen langen Satz über einen Atemzug ausspricht, dem fehlt zuletzt die Luft für das Finale. Die Stimme wird piepsiger, je schneller man spricht, Vokale werden nicht als Klang empfunden, Pausen nach Sätzen gehen verloren. Und damit auch die Nachhaltigkeit der Stimme.