Zündende Ideen, die verpuffen

Vor 150 Jahren wurde Rudolf Diesel geboren. Er war ein genialer Erfinder, aber kein Geschäftsmann. 1913 starb er –finanziell ruiniert und unter ungeklärten Umständen

Diesel

Antonio Meucci konnte die $10 Patentanmeldegebühr nicht aufbringen, die ihm den Anspruch auf die Erfindung des Telefons gesichert hätten; Claude-François-Dorothée, der Marquis de Jouffroy d‘Abbans und Erfinder des Dampfschiffs, starb mittellos im Hôtel des Invalides in Paris. Auch Nikola Tesla, ein Vorreiter auf dem Gebiet der Elektrizität und des Magnetismus, verschied unvermögend und allein in New York. Aufgrund solcher typischen Schicksale soll Rudolf Diesel die Aussage geprägt haben, dass „von 100 Genies 99 unentdeckt zu Grunde gehen“.

 

Obwohl der Dieselmotor bereits zu Lebzeiten seines Erfinders Erfolge feierte, starb auch Diesel verarmt – um seinen Tod rankten sich schnell Gerüchte und Theorien: Mord durch den Geheimdienst? Ein tragischer Unfall? Selbstmord? Die Selbstmordtheorie ist jedoch höchst plausibel, da er zum Zeitpunkt seines Todes kurz vor dem finanziellen Ruin stand.

 

Zunächst versprachen Diesels Fähigkeiten ihm jedoch eine glänzendeKarriere. Als Kind deutscher Einwanderer 1858 in Frankreich geboren, wurde er zum Schulbesuch zu Verwandten nach Augsburg geschickt, wo er herausragende Leistungen zeigte. Sein Studium in Mün-chen schloss er als bester Absolvent seit Bestehen der Technischen Hochschule ab. Schon zu dieser Zeit hatte er es zu seinem Projekt gemacht, den Wirkungs-grad der Dampfmaschine zu verbessern.

 

Später verdiente er als Leiter der franzö-sischen Kühlmaschinenfabrik seines ehemaligen Professors Carl von Linde gutes Geld, das er in die Erforschung seines Motors (die Patentanmeldung von 1892 lautet auf eine „Neue rationelle Wärmekraftmaschine“) investierte. Das erste funktionstüchtige Modell konstruierte er 1897 gemeinsam mit den Ingenieuren der MAN. Im Jahr 1900 folgte die Gründung der Diesel Engine Company in London, und schon ab 1903 wurden Motorschiffe mit Dieselmotor zu Wasser gelassen. Jedoch war Diesel kein guter Geschäftsmann, der Bezug zum Wirtschaftsleben fehlte ihm: Fehlspekulationen, langwierige Patentprozesse und missglückte Lizenzvergaben führten dazu, dass er viel Geld verlor. 1911 musste die Dieselmotorenfabrik Augsburg wieder aufgelöst werden: das Recht an der Produktion von Dieselmotoren lag bei MAN und Krupp, somit hätte die Fabrik horrende Lizenzgebühren zahlen müssen: „Es ist wie wenn man Apfelwein von seinem eigenen Apfelbaum kauft“, soll Rudolf Diesel gesagt haben.

Eine Idee ist noch kein Produkt

Dass also auch großartige Ideen ohne die passenden Vermarktungsstrategien dem Erfinder nicht unbedingt Früchte tragen, musste Rudolf Diesel aufs Härteste spüren. Um die Innovations-kultur zu fördern, aber gleichzeitig auch auf die wirtschaftlichen Aspekte hinzuweisen, die für den Erfolg einer Erfind-ung nötig sind, vergibt das Deutsche Institut für Erfindungswesen die Diesel-medaille. Auf seiner Website heißt es: „Eine Erfindung ist noch kein Produkt. Erst die Umsetzung eines Gedankens in Wissen und wirtschaftlichen Erfolg machen aus einer ‚zündenden Idee’ Anwendungen, die die Welt bewegen. Mut und der Wille, die Idee zu entwickeln und sie konsequent zu vermarkten, manchmal auch Beharrlichkeit, zeichnen erfolgreiche Erfinder aus.“ Daher werden mit der Medaille nicht nur Erfinder geehrt, sondern auch Mäzene, die Erfindungen durch finanzielle Zuschüsse fördern. Lesen Sie mehr unter www.dieselmedaille.de