Zweite Chance mit Second Life? Die schöne neue Welt im Cyberspace

Täglich melden sich immer mehr Bewohner bei Second Life (SL), der zurzeit angesagtesten virtuellen 3-D-Welt im Internet an. Fast 4,9 Millionen Einwohner, davon 10 % Deutsche, tummeln sich bereits in der englischsprachigen Parallelwelt von Linden Lab, die 1999 von Philip Rosedale, dem früheren CTO, Chief Technology Officer von RealNetworks (Produkte aus dem Streaming Media Bereich, z.B. RealViewer) gegründet wurde.

Seit April 2003 sorgt Mitch Kapor, der Gründer von Lotus Development Corporation, als Vorsitzender für die gute Entwicklung, der auch in diesem Jahr online abrufbaren Welt. Neben einer eigenen Dependance in SL findet man das Unter-nehmen übrigens in San Francisco. Second Life ist ein Massive Multiplayer Online Roleplaying Game, kurz MMORPG, bei dem zehntausende Spieler gleichzeitig zusammen über das Internet spielen können. World of Warcraft, eine Fantasy-Welt voller Abenteuer und Helden, begeistert 8,5 Millionen Menschen als derzeit größtes Online-Spiel der westlichen Welt.

 

Um bei Second Life mitspielen zu können, benötigt man mindestens das Betriebssystem Windows 2000 und eine schnelle Breitband-Internetverbindung, z.B.DSL.Die Software kann kostenlos unter www.secondlife.com herunter ge-laden werden.

 

Die Welt von Second Life wird von ihren Bewohnern erdacht und er-schaffen.Man kann sich mittels der Teleportation („Beamen“) mit seiner gewählten virtuellen Figur (Avatar) an jeden Ort der fantasievollen 3-D-Landschaften wünschen. „Avatar“ leitet sich aus der indischen Sprache Sanskrit ab. Es bedeutet „Abstieg“,der sich auf das Herabsteigen einer Gottheit in irdische Sphären bezieht. Kommuniziert wird mit anderen Mitspielern, bisher mit Hilfe von Instant Messaging und Chatfunktionen.

 

Bald soll die menschliche Stimme als verbesserte Ausdrucksfähigkeit zu hören sein. Phillip Rosedale schwärmt: „Die Neuaufnahme der Stimme markiert einen natürlichen Fortschritt in der laufenden Evolution von Second Life.“

Neben dem Erkunden der Welt steht das Erschaffen im Mittelpunkt.

 

Das fängt bei dem eigenen virtuellen Selbst an, indem man seine Figur nach eigenen Vorstellungen formt. Das „Fein-tunen“ von Avataren in menschlicher Form, aber auch tierischer Avatare, ist sehr beliebt.

 

Die individuelle Ausstattung seines Avatars kostet allerdings Geld. Genauso wie der Kauf von Land oder die Miete von Wohnungen. Einen Wohnsitz benötigt man, um Gebrauchsgegenstände und Service-Leistungen erfolgreich anbieten zu können. Genau wie im richtigen Leben, dreht sich auch bei Second Life fast alles um Geld, Sex und die Chance, jemand anderes sein zu können.

 

Gezahlt wird mit einer eigenen Währung, dem Linden Dollar. Dieser kann in US Dollar getauscht werden, so dass man die Möglichkeit hat, richtiges Geld zu ver-dienen. So wie die deutsche Ailin Graef, die unter ihrem chinesischen Pseudonym Anche Chung, mit ihrer virtuellen Immobilienfirma gleichen Namens ein Millionenvermögen angehäuft hat. Nur wenigen ist es bei SL allerdings vergönnt, trotz hohem Einsatz von Zeit und Engagement reich zu werden. Der große Gewinner ist in jedem Fall Linden Lab. Denn, umsonst ist für die Mitspieler nur der Basis-Account. Möchte man Land kaufen, so ist ein Premium-Account für monatlich 9,95 $ und der Verkaufspreis (man kauft von Mitspielern oder von Linden Lab) fällig. Hinzu kommen bei mehr als 512 qm Landfläche noch monatliche Landnutzungsgebühren.

 

In der Apfelwelt, dem Zuhause von ca. 20.000 deutschsprachigen Mitspielern, wird ein 1024 qm großes Grundstück für einen Preis von 14,90 Euro angeboten  –  pro Monat, versteht sich. Günstiger ist es da schon, eine Wohnung zu mieten. Bereits ab 300 L$ pro Monat kann man eine Bleibe beziehen, was umgerechnet etwa 1,50 Euro entspricht.